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0 Autor: Christian Kruse

Deftones - Around The Fur (Platten der Neunziger)

Around The Fur (Platten der Neunziger)
  • VÖ: 27.10.1997
  • Label: Maverick
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 82 - Schönheit der Ausgabe

Pure Emotionen statt kalkulierter Posen: Die Deftones starten durch.

Nachdem sich „Adrenaline", das Debüt-Album der Deftones, ohne irgendwelche Promotion in Deutschland schon ordentlich rumgesprochen hatte, war „Around The Fur" das, was man gemeinhin als Durchbruchalbum bezeichnet. Die musikalische Entladung, die die beiden inzwischen legendären Pre-Release-Showcases im Hamburger Logo und in Kölns Prime Club zu den vielleicht besten Konzerten des Jahres 1997 machte, zeigt sich hier in so grandiosen Kompositionen wie dem inzwischen wohl wirklich jedem Discogänger geläufigen „My Own Summer (Shove It)", dem tieftraurigen und aus dem Kontext herausstechenden „Mascara" und dem in Melancholie schwelgenden „Be Quiet And Drive (Far Away)". Diese Band, die in ihren Anfangstagen oft und fälschlicherweise als Korn-Kopie abgetan wurde, hat das, was andere gerne hätten: Songs. Der grundlegende Unterschied, der die Deftones für mich nicht nur vor Korn über die Zielgerade sprinten läßt, sondern halbgaren Versuchen der Marke Coal Chamber gleich in der Umkleidekabine zeigt, wohin sie sich ihren Sports Metal stecken können, liegt in der Herangehensweise an die eigene Musik. It’s not about affection. Wo andere Wert auf Image und Show, Make-Up und möglichst coole Posen legen, lassen die Deftones einfach ihre Emotionen zu Wort und Ton kommen und bauen Sachen, von denen andere nur träumen. „Around The Fur" ist zudem produktionstechnisch eine hundertprozentige Verbesserung zum etwas zu höhenlastigen Debüt und knallt einem die ungezügelte Energie der Band um die Ohren, auf die selbst ein alter Hase wie Alan Bangs im Rahmen des WDR-Rockpalasts nur mit einem ungläubigen „und die Hose hält immer noch..." reagieren konnte. Ganz abgesehen davon, dass die Deftones es sich inzwischen leisten können, ihre Supportbands nur und ausschließlich nach eigenen Qualitätsmaßstäben auszusuchen und somit unter anderem Will Haven, Far und Quicksand (!!) einem großen und neuen Publikum vorstellten, ist der Einfluss, den Sänger Chino Moreno auf einige hormonell wallende Jungmenschen beider Geschlechter ausübt, auf keinen Fall zu unterschätzen. Hier wächst zusammen, was zusammen gehört. Gute Musik für gutaussehende Menschen. Jawoll.

Leserbewertung: 10.1/12

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