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0 Autor: Martin Büsser

Jim Orourke - Eureka

Eureka

Sein Name steht für alles Experimentelle und Nicht-Angepaßte. Mit Illusion Of Safety spielte O’Rourke geräuschhafte Post-Industrial-Klangcollagen auf, mit Gastr Del Sol übte er sich im intellektuell zerfahrenen Pop, hinzu kommen eine rege Produzententätigkeit (Stereolab, US Maple, Faust u.a.) und unzählige Soloplatten. O’Rourke ist ebenso hyperaktiv wie unberechenbar. Jeden Monat beginnt bei ihm eine neue künstlerische Phase: Ob er nun Noise-Rock, Jazzimprovisationen für Gitarre oder Bluegrass im Stil seines großen Vorbilds John Fahey einspielte - bislang ist der kleinste gemeinsame Nenner aller O’Rourke-Platten der gewesen, daß sie zu sperrig sind, um über ein höchst interessiertes Publikum aus Spezialisten hinaus wirken zu können. Das aber soll sich mit „Eureka“ ändern - O’Rourke hat tatsächlich ein eingängiges Pop-Album eingespielt, das zugleich die bislang aufwendigste Produktion des ‘Domino’-Labels geworden ist - einschließlich Bläsern und Background-Sängerinnen. Avantgarde-Puristen mögen über diese Wandlung enttäuscht sein, doch eines muß zugegeben werden: „Eureka“ ist eine der anspielungsreichsten und vielschichtigsten Veröffentlichungen der letzten Jahre. Von den Beach Boys bis zu Soul, von Werbejingles bis zu Psychedelic, von Singer/Songwriter-Folk bis zu Fusion-Jazz wird hier zitiert und verquirlt, was das Zeug hält. Einige Nummern klingen, als seien sie von Syd Barrett, Stereolab, Mouse On Mars und einer kompletten Dixieland-Kapelle gleichzeitig eingespielt worden. Dennoch gehen die Stücke nicht in einem großen Crossover-Chaos unter, sondern sind auch als eingängige Popsongs gelungen. Wer seinen Enkeln einmal die Essenz aus vier Jahrzehnten Popmusik auflegen will, wird in dreißig Jahren wohl zu dieser Platte greifen müssen.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 12.0/12

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