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0 Autor: Oliver Uschmann

The Evens - dto.

dto.

Sensibler (Anti-)Folk von Ian Mackaye (Gitarre) und Amy Farina (Schlagzeug), der in der Beschränkung der Mittel Intimität gewinnt.

Ein Schlüssel zum Verständnis von Ian Mackayes Arbeit war immer schon seine

Konzentration auf das Wesentliche. Minor Threat war Hardcore ohne Muskeln und den

Mehrwert des Testosteronrausches. Es ging um die Sache. Fugazi war Komplexität ohne

Leistungsschau. Es ging um den Entwurf einer anderen Musik, nicht um Handwerksgeschick

seiner selbst Willen. Mackaye vermied nicht nur die Strukturen der großen Industrie, er

vermied auch ihren Umgang mit "großen Emotionen", die zugleich formatiert und

unpersönlich sind. Diese Tradition führt er nun mit anderen Mitteln fort: Die zwölf

Songs auf "The Evens" sind zurückgenommen und minimalistisch. Von den White Stripes

borgt dieses Duo nicht den Rock, aber die Unmittelbarkeit. Gerade das Schlagzeug klingt

alles andere als professionell inszeniert, doch gerade diese Unperfektheit liegt im

Sinne der leisen Nummern, deren Melancholie und Entrücktheit nicht für Postkarten oder

Hollywood tauglich sind. Unterm Strich steht das Songwriting im Mittelpunkt. Der

formale Minimalismus verhindert nichts, sondern bringt die Schönheit erst hervor. In

Zeiten von Bands wie Smog oder Low kein neuer, aber ein gelungener Gegenentwurf zur

Traurigkeit aus dem Katalog.

Bewertung: 9/12

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