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Papa Roach - Getting Away With Murder

Getting Away With Murder

4 Ohren-Test

Wer sein Leben einmal in Stücke geschnitten hat, bekommt Probleme, es wieder zusammen zu setzen. Papa Roach haben sich und ihren Fans nach dem Erfolgsdebüt „Infest“ mit dem ‚anspruchsvollen’ Zweitwerk „lovehatetragedy“ zu viel zugemutet.

Nun kommt der halbe Schritt zurück ins Niemandsland zwischen Selbstverwirklichung und Massenspeisung, doch leider hat man das Gefühl, dass sich die Band ausgerechnet bei den ‚signature songs’ deutlich unter Wert verkauft: Der Titelsong gerät zu einem altbackenen Faith No More-Tribut, beim Refrain von „Do Or Die“ wird’s blink-punkig. Und „Scars“ die (behaupten wir jetzt mal) zweite Single bückt sich dermaßen tief vor dem Creed-Publikum und den Modern Rock-Radios, dass einem richtig schlecht wird vor so wenig Rückgrat und so viel Kalkül. Schade, dass es genau diese Nummern sind, die sich einbrennen werden - dabei können Jacoby Shaddix & Co, auch anders, siehe z.B. „Not Listening“, „Stop Looking“ oder die AC/DC-Riffhommage „Be Free“. Hier merkt man, was die Band drauf hat, dass sie ihren eigenen Stil durchaus gefunden hat und weiß, wie zwingende Rockmusik funktioniert. Alles in allem das altbekannte zwischen-den-Stühlen-Problem: Wer zwei Kurse eingibt, wird schwer einen Landeplatz finden. Immerhin: Die Texte sind simpel und klischeehaft wie eh und je. Vielleicht ist das ja der rote Faden...
Ingo Neumayer 5

2004 heißt es für Papa Roach lapidar: Gehen Sie zurück auf ‚Los’. Wenn man einen Klassiker geschrieben hat, darf man sich einen kommerziellen Flop leisten. Mit dem dritten Album nutzen Papa Roach ihre vielleicht letzte Chance. Der Plattentitel suggeriert es („Getting Away With Murder“ heißt so viel wie „mit allem durchkommen“, „Schwein haben“): Das US-Quartett strotzt vor Selbstvertrauen. Das spürt man: zwölf kurze, knackig-kommerzielle Songs, produziert von Howard Benson (u.a. P.O.D., Hoobastank) und dem Alles-Mixer Chris Lord-Alge. Rap Metal war vorgestern, New Metal gestern. Papa Roach haben einiges an aktuellem Zeug gehört, und vor allem Mr. Shaddix hat gemerkt, dass draußen viele junge Sänger danach lechzen, seinen Platz an der Sonne einzunehmen. Und wie das so ist, Druck hilft manchmal: Die Screamo-Ansätze passen genauso zum neuen Sound wie die vielen Ohrschmeicheleien („Getting Away With Murder“, „Scars“). Problematisch wird es nur bei dem Versuch, mit stinknormalem 4/4-Stampfrock („Be Free“) die nach „lovehatetragedy“ abgewanderten „Last Resort“-Fans zurückzuholen. Allein das klingt schlimm nach Berechnung. Ist aber dennoch hörbar, weil sehr smart umgesetzt. Papa Roach haben es schon wieder geschafft, sich nicht zu wiederholen. Allein das verdient Respekt.
Jörg Staude 9

Bewertung: 5/12
Leserbewertung: 7.0/12

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