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0 Autor: Sascha Krüger

Soulwax - Any Minute Now

Any Minute Now
  • VÖ: 23.08.2004
  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 138 - Schönheit der Ausgabe

Geschmäcklerischer, breitbandiger, elektronischer, mutiger: Soulwax bleiben nicht stehen. Dass so etwas die (Fan-)Gemeinde spaltet, ist klar.

Es war ja zu erwarten, dass die 2 Many DJ's, die global gefeierte Nebenbeschäftigung der Dewaele-Brüder, seinen Einfluss auf das nächste Soulwax-Epos nehmen würde. Aber gleich so? Es fiept und bruzzelt, dass es eine wahre Wonne ist, die Arrangements steigern und senken sich wie in einem guten Tech-Funk-Stück, und selbst die Gitarren klingen nicht selten seltsam künstlich. Und doch: Es ist durch und durch ein begeisterndes Soulwax-Album geworden. Die liebevollen Melodien sind unverkennbar, das Sehnende des Gesangs erkennt man unmittelbar wieder, das herrlich Beknackte in ihren immer wieder überraschenden Songideen ist allgegenwärtig. Selbst der Bastard-Pop-Gedanke der 2 Many DJ's schimmert immer wieder durch, wenn zum Beispiel in einem knackigen Rocker plötzlich die sanfte Soul-Keule ausgepackt wird. Ein Album voller kleiner, erst beim fünften oder zehnten Hören auffallender Ideen und abstruser Nebenschauplätze, die man zunächst überhaupt nicht einzuordnen versteht. Doch mit der Zeit fügt sich alles zusammen, bildet einen wahren Monolithen aus Rock-, Indie-, Elektronik- und Wasauchimmerfür-Musik, die vollkommen unklassifizierbar bleibt – Soulwax eben. Schon der Opener macht klar, wo's lang geht: Knackiger Schubdüsen-Tech-Funk faded ins Bild, die Beats pumpen ordentlich, während sich langsam ein druckvolles Kostüm aus Gitarrenwänden, Noise-Fetzen und einer begeisternden Popmelodie aufbaut. Dergestalt geht's weiter: Im straighten Rocker schwurbelt das Acid-Maschinchen, im schnöd-schönen Poplied schnattert ein Elektrobett – jeder Song ein kleiner Sound-Orgasmus. Dass das nicht jedem gefällt, ist klar – wer es eher traditionell rockig, ergo unelektronisch, mag wird glauben, Soulwax hätten ihre Erdverbundenheit verloren. Nur: Für Traditionalisten war diese Band ohnehin nie gedacht. Das hier ist progressiv im besten Sinne – ein ohnehin viel zu seltenes Gut heutzutage.

Leserbewertung: 11.0/12

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