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0 Autor: Jan Bauckhorn

Spiritualized - Amazing Grace

Amazing Grace

Tonnenweise Wall Of Sound, lange nicht mehr gehörte Feedbackorgien und die erste Adresse für den elektrischen Gottesdienst: der einzig wahre Spaceman steht für beängstigend große Klänge.

Jason Pierce hatte es angekündigt: das neue, fünfte reguläre Spiritualized-Album sei musikalisch spontaner und rauer, wesentlich näher an den Liveshows als an den bombastisch orchestrierten Vorgängern verortet, weitestgehend sei auf Overdubs verzichtet worden. Nachdem das letzte Album allerdings mit über 100 Orchestermusikern eingespielt wurde, und ein ganzes Jahr gemixt wurde, ist so ein Statement auch nur eine Frage der Sichtweise – eine Garagenplatte klingt anders, auch wenn der Opener der CD-Version (beim limitierten Vinyl sieht die Reihenfolge mal wieder ganz anders aus) eine andere Sprache spricht: hätte man die Band in einer komplett mit Magneten ausgekleideten Wellblechgarage spielen lassen, die Aufnahme hätte kaum mehr mit Rückkopplungen vollgeschüttet werden können. Aber schon das gospelige "Hold On" mit seinen Weihnachtsbläsern oder "Oh Baby" mit einer Wand aus Chorgesang zeigen, dass Pierce seiner Vision von epischer Breite bei 'englischer Einstellung' am Gitarrenamp (also alles auf 10) treu geblieben ist. Neben Drone-Rockern wie "Never Goin' Back" und "Then She Kissed Me" sind es vor allem die unglaublich grandios-kitschigen Balladen wie "Lord, Let It Rain On Me" und das abschließende "Lay It Down Slow", wo Monumental-Arrangements mit Pierces relativ verlorener Stimme konterkarieren, die die Sonderstellung der Vision namens Spiritualized ein weiteres Mal untermauern. Einfach schön.

Bewertung: 10/12
Leserbewertung: 9.0/12

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