Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Sascha Krüger

UNKLE - Never, Never, Land

Never, Never, Land

DJ Shadow ist draußen, dafür hat sich MoWax-Chef James Lavelle nun eine komplette Band gegönnt. Mit dem Debüt hat dieses Album insofern nicht mehr viel gemein.

Shadow hatte keine Zeit, hieß es lakonisch zu den Gründen seines Fehlens auf dem zweiten U.N.K.L.E.-Album. Also musste James Lavelle ran, um die Ehre der Songwriting-orientierten Zeitgeist-Elektronik zu retten. Wenngleich nicht komplett alleine: Eine dreiköpfige Band ist nun an seiner Seite, singt, trommelt, zupft Gitarren, bedient Keyboards, schreibt richtige Songs. Das Ergebnis: Aus den brüchigen, zweifellos einmaligen Beat-Kreaturen zwischen HipHop, Britpop und Wahnsinn wurde hemmungslos opulent in Szene gesetzte Spacerock-Elektronik, die mal an Spiritualized, mal an Massive Attack, mal an Orbital, hier an South, dort an Pink Floyd und in den weniger erbaulichen Momenten gar an die Eagles oder Manfred Mann's Earth Band erinnert. Das ist ein monumental großes Füllhorn an Schönklang und geradezu aufdringlichem Wohlbefinden, das der Herr Lavelle plus Mitstreitern hier über dem Hörer ausgießt. Und ja, keine Frage: Hier waren Könner am Werk. Zutraulich, vielschichtig und minutiös arrangiert ist das Ganze. Und zwar so sehr, dass man sich fast ununterbrochen ein paar störende Zwischengeräusche, ein paar fiese Sampler-Fiepser oder wenigstens mal einen krassen Scratch – also: wenigstens ein bisschen DJ Shadow – wünscht. "Never Never Land" erdrückt einen förmlich mit seinem lieblichen Rundumwohlfühl-Sound. Da hilft es auch nicht viel, wenn manche Songs mittels Acid-Schraubereien oder holpernden Rhythmen künstlich auf Schmutz getrimmt werden. Es ist schade, aber wahr: Hier ist der Künstler über das Ziel hinaus geschossen.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 5.5/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.