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Surrogat - Hell In Hell

Hell In Hell

4-Ohren-Test

Surrogat verwirren. Sie galten immer als das gute Gewissen des Indie, als eine der wenigen kompromisslosen Bastionen des deutschen Undergrounds. Und jetzt: hemmungslose AC/DC-Zitate, Majorlabel-Vertrag und Slogans, die selbst die Think-Tanks der großen Werbeagenturen nicht besser auf den Punkt bringen könnten. Ist das Ausverkauf? Eiskalte Berechnung? Oder einfach totale Verarsche? Was auch immer es ist: Es ist großartig. Und es rockt. Es rockt einem dermaßen den Arsch weg, dass der durchaus treffend betitelte Vorgänger „Rock“ dagegen wie ein handzahmes Schmusekätzchen anmutet. Was uns früher bis zum Anschlag vertrackt die Nerven raubte, wird nun so gerade heraus gerotzt, dass man gar nicht anders kann, als aus vollem Halse mitzubrüllen. Mag sein, dass der eingefleischte Surrogat-Fan die frühere Kompromisslosigkeit vermisst, wenngleich auch dies hier auf seine sehr eigene Art kompromisslos ist. Mai-Linhs Grooves kommen direkt aus der Schlagzeug-Hölle, Tilo brät mit seinem Bass über die ganze Breitseite, und was „Patrick Wagner Superstar“ betrifft: Wir können froh sein, einen solch eigenwilligen Querdenker mit sehr viel Hirn, Humor, Selbstironie und nunmehr genauso vielen Eiern zu den Aushängeschildern deutscher Rockmusik zählen zu dürfen. Ob man „Hell In Hell“ nun mag oder nicht, eins ist klar: So etwas hat es in Deutschland noch nicht gegeben. Und selten wurde über eine heimische Platte so viel diskutiert wie hier. Allein dafür: Surrogat on top.
Sascha Krüger 10

Ein Exil-Ösi aus Berlin gibt feixend den tiefergelegten Hardrock-Gockel, und die Herren und Damen der ‚Spex‘ finden das derart – höhöhö! – abgedreht, dass sie prompt eine Titelstory herbei fabulieren.

Das verstehe, wer will: Da wird einer zum Gralshüter des deutschen Undergrounds geadelt, weil er beim Branchenmogul ‚Motor‘ ein AC/DC-Tribute-Album herausbringt. Weil Knasti René Weller Freigang für den Videodreh zu „Hell In Hell“ erhält. Weil die so geile Slogans haben wie „Rausch – Wahnsinn – Maßlosigkeit“, die doch nur auf den Koks-Konsum ihres Urhebers verweisen. Generation Golf ultra-light eben, aber mit Heckspoiler. Denn außer breitbeinig-plattem Geschwaller und mühsam einstudierten Young-Riffs haben Phrasenmäher „Patrick Wagner Superstar“ und Kollegen wenig bis gar nichts am Start. Weder können sie den Proll-Originalen musikalisch bzw. Coolness-technisch Paroli bieten, noch reicht es zum Ironie-Pokal. Alles nur Hintersinn? Revolution qua Plagiat? Aber sicher doch. Einzig „Love Baby“ und der stoische Arschtritt „Meine Generation“ (den man ihnen freilich nach der ganzen Mimikry nicht mehr abkauft) haben was. Bloß: Wer braucht das alles? Der ‚Spex‘-Leserschaft müsste sich rein tonal der Magen umdrehen bei solch banalem Gedröhne. Und die ordinären Schrankwand-Vokuhilas bleiben weiterhin bei Angus Young. Nein, du ach so subversive „Gott AG“: In Hell ist’s duster. Zappenduster sogar. Surrogat machen ihrem Namen endlich alle Ehre.
Patrick Großmann 3

Bewertung: 10/12
Leserbewertung: 12.0/12

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