Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Quintus Berger

Lou Reed - The Raven

The Raven

Anspruchsvoller Stoff: Onkel Lou ehrt Edgar Allen Poe mit einer zu gleichen Teilen aus gesprochenen wie gesungenen Parts bestehenden Doppel-CD.

Endlich veröffentlicht der Velvet Underground-Veteran seine Songs zu "POEtry", der Anfang 2000 im Hamburg uraufgeführten Theater-Kollaboration zum Thema Poe mit Bühnenregisseur Robert Wilson ("Time Rocker", "Black Rider"). Doch trotz laufend ausverkaufter Vorstellungen und für die CD-Version engagierter Gaststars wie Laurie Anderson, David Bowie sowie den Kultschauspielern Steve Buscemi und Willem Dafoe wird er mit "The Raven" kaum ein Hitalbum landen. Zu intensiv ist das auf über zwei Stunden gebotene Material im Vergleich zu Reeds zwar kaum weniger morbiden, dafür deutlich zugänglicheren Werken wie "New York" oder "Magic And Loss". Dabei sind zwischen den 18 Spoken-Word-Segmenten (Rezitation bzw. Re-Interpretation originaler Poe-Arbeiten) echte Juwelen zu orten. So etwa das todtraurige "Perfect Day", der trocken hingerotzte Rock'n'Roll in "Edgar Allen Poe" oder die düstere Streicherballade "Call On Me". An seine Ex-Band erinnert der Meister mit dem brillant-wütenden "Change", punkige Attitüde gibt es in "Blind Rage" zu hören, und für "Broadway" versucht er sich gar als klassischer Crooner. Es ist nachvollziehbar, dass die Plattenfirma auf die Idee kam, die Musikstücke mit drei der gesprochenen Nummern für ein separat erhältliches Einzelalbum zu koppeln. Doch wer würde sich schon eine "Der Pate"-DVD kaufen, auf der nur die Schießereien zu sehen sind und nicht auch die Interaktion zwischen den Charakteren? Oder wer will nur den Belag einer Pizza ohne den Boden essen? Um dieses Werk zu verstehen, muss sich der Hörer eben ein wenig quälen.

Bewertung: 9/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.