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0 Autor: Jochen Schliemann

Massive Attack - 100th Window

100th Window

Einige werden enttäuscht sein von der neuen Massive Attack, denn Revolutionäres gibt`s nicht zu hören. Dennoch wäre die Behauptung übertrieben, dass hier nichts Aufregendes mehr passiert.

„Blue Lines“ war ein Meilenstein, aufgrund dessen im Jahre 1990 sogar eine neue Schublade beschriftet werden musste: HipHop, Jazz, Soul, House, Dub – was sind Massive Attack? TripHop war geboren. „Protection“ bildete dann die konsequente Weiterentwicklung, voll von großen Gefühlen sowie massiven Sounds, und auch „Mezzanine“ zog 1998 mit Düsternis in seinen Bann. Das langerwartete „100th Window“ ist nun das erste Mal kein Schritt nach vorn für die Elektronik-Revoluzzer aus Bristol, eher eine Schnittmenge ihres Schaffens. Es ist deshalb auch nicht das beste, geschweige denn wichtigste Massive Attack-Album. Dennoch hat es sehr wohl eine eigene Aura, auch wenn diese unterkühlt ist und so undurchsichtig wie das wackelige Bandgefüge. Einen „Soundtrack der Schlaflosigkeit“ nennt 3D die Platte und bringt es auf den Punkt. Beunruhigend, bedrohlich und einnehmend lauten die Attribute. Die Klangfarbe ist schwarz. Ob die Gänsehaut nun vom knisternden „What Your Soul Sings“ (featuring Sinéad O’Connor), dem mächtig groovenden Opener „Future Proof“ oder den erhabenen Streichern im abschließenden „Antistar“ kommt – so viele Reize ziehen den Hörer sanft nach unten, dass niemand diese Platte nachts beim Autofahren hören sollte. Mag sein, dass das hier der Tiefpunkt im Schaffen der Band ist, dennoch befindet man sich hier auf einem verdammt hohen Niveau.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.3/12

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