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0 Autor: Tino Hanekamp

Madrugada - Grit

Grit

Jetzt fangen die auch noch damit an: Madrugada rocken sich die Ärsche ab. Das Sakko weg, die Lederjacke her. Pathos war gestern.

Am Anfang Verwirrung: Das großgestige Pathos ist fast vollkommen verschwunden. Madrugada zelebrieren nicht mehr, sie rocken. Stooges und Stones statt Cave und Cohen. Es mag an Berlin liegen, wo Madrugada Grit aufgenommen haben. Es mag an den Drogen liegen, die sie in den letzten Monaten konsumiert haben. Es mag am Trend liegen, der derzeit grassiert. Fakt ist: Sie haben die Amps aufgedreht. Sie schufen stoische Lieder, die oft nur auf einem Riff basieren und krachend nach vorn drängen. Dunkel, noch immer. Abgründig, natürlich. Geil, was auch sonst? Aber eben anders. Sie rocken wie die Säue, und nur zuweilen schiebt sich wie mit Song Of Majesty getragen Balladeskes dazwischen. Madrugada haben auf dem fantastischen Debüt Industrial Silence die Grenzen abgesteckt, mit dem göttlichen The Nightly Disease das Pathos vollendet und nun, mit Grit, den Rock’n’Roll zelebriert. Man stelle sich Black Mambo mit an den Nasenflügeln klebendem Speed vor. Man versuche Sänger Sivert Høyem zu sehen - der leider wirkt wie ein Sparkassenangestellter - als trunkenen, besinnungslosen Lederjackenträger. Man denke sich Madrugada verdrogt durch Kreuzberger Nächte taumelnd, und man hat eine Ahnung von dieser Platte. Soviel Coolness ist fast pervers. Die Oberlippe zuckt. Der Unterleib sowieso. Ein Schritt nach vorn. Am Ende Begeisterung.

Leserbewertung: 9.0/12

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