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The Datsuns - dto.

dto.

4-Ohren-Test

Die Hölle ist ein heißer, aufregender Ort, wenn man aus Neuseeland kommt und sich The Datsuns nennt. Die Unterwelt des Quartetts bevölkern alte Bekannte, deren Verfassung überrascht: Selten haben Deep Purple ein frischeres Antlitz erhalten, und auch Angus Young hüpft ein bisschen schneller als sonst. Bei Stücken wie "MF From Hell" lassen die Vier unbekümmert ihre Vorbilder tanzen, klassische Gitarrenriffs der alten Herren präsentieren sich im neuen Glanz und werden einmal durch den Zeitraffer geschickt. Doch die Neuseeländer beschränken sich nicht auf den Ahnenkult. Schon der Opener "Sittin’ Pretty" täuscht skandinavische Wurzeln vor und klingt, als habe man die Hellacopters in die Sommerfrische geschickt. Lässig und sexy wirkt der Gesang von Dolf De Datsun, der sich auch ab und an – wie bei "Harmonic Generator" – mit einem Backingchor das Mikro teilt. Das Wechselspiel der Gitarristen Christian und Phil setzt ebenfalls energiegeladene Akzente. Schön, wie die beiden sich gegenseitig anstacheln, nur um den Wettbewerb mit einem Unentschieden beenden. Drummer Matt steht nicht zurück und lässt in seinem treibenden Spiel die Becken genau da klingen, wo sie hingehören. The Datsuns haben weder das Genre neu erfunden noch sind sie Meister des ausgefeilten Songwritings, stattdessen schütteln sie sich zehn Songs aus dem Ärmel, die ungemein gute Laune bereiten. Stürmisch und ohne Vorbehalte halten sie sich an die Devise der Stones, "It’s Only Rock’n’Roll", und lassen Mitstreiter alt aussehen.

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So lange ist’s noch nicht her, dass die Musikwelt simultan zum Garagen-Revival den bestimmten Artikel "The" wiederentdeckte. Man spurte: The D4, The Pattern, The Libertines, The Hellacopters, The Vines - plagiatives Mittelmaß allesamt, aber irgendwie ganz okay. Bei The Music hörte der Spaß dann so langsam auf (The The war leider schon vergeben), und jetzt, da das Fass nun wirklich übervoll ist, holpern auch noch ein paar stehengebliebene Neuseeländer in einem rostigen Vehikel japanischer Bauart um die Ecke. Die Verkultung handelsüblichen 70s-Hardrock-Geriffes nebst Solo-Gegniedel und Schweineorgel steht auf dem Banner. Obendrauf gibt’s dummdreistes Plakat-Geschwaller à la "Motherfucker From Hell" sowie ein, zwei halbgare Glam-Abstecher. Das Bedauerlichste an dieser berechnenden Bumsbuden-Arie ist weniger die Tatsache, dass The Datsuns nicht einmal billigste Rockstandards mit Saft (nach)spielen können, sondern dass immer noch die halbe Welt "Hurra!" kreischt und so tut, als wären die Siebziger nie gewesen. Jede Wette: Noch vor drei Jahren hätten dieselben Apologeten schreiend Reißaus genommen, anstatt mit stolz geschwellter Brust ihre Promo-Jeanskutten spazieren zu führen. Zu Recht, denn sowas gab’s in jedem bayerischen Dorf-Jugendzentrum zu bestaunen. Banal. Bieder wie eine Eichenholz-Schrankwand. Da hör ich zehnmal lieber Deep Purple oder Sweet. Sogar Mötley Crüe.

Patrick Großmann 3

Bewertung: 9/12

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