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Coldplay - A Rush Of Blood To The Head

A Rush Of Blood To The Head

Die vier Londoner bezaubern mit elf bittersüßen Songperlen, die von einer Mischung aus Bombast und berührender Schlichtheit leben.

Vertrackte Strukturen, die unter die Haut gehen, findet man auf "A Rush Of Blood To The Head" durchaus, ganz so zutraulich wie das Debüt "Parachutes" klingt der Nachfolger aber nicht. Ein bombastischer Percussionsound wird dem Ohr beim Opener "Politik" entgegen geschleudert, nur um direkt einem ruhigen Part zu weichen. Sanfte Pianofiguren tragen Chris Martins Stimme, die schmeichelt, fleht, anklagt. "In My Place" wird zur lockenden Verheißung, der man nur zu gern folgt. Eine wehmütige Klage der Einsamkeit. "Come back" jauchzt hier der Sänger, nicht ohne einzugestehen, dass sein Ort auch bittere Schattenseiten besitzt. Ruhige Gitarren nehmen bei "God Put A Smile Upon Your Face" gefangen, doch auch hier lässt eine epische Klangbreite nicht lange auf sich warten. Der ungewissen Zukunft wird die Schönheit des Moments gegenüberstellt, und dem melancholische Unterton in der Zeile "Where do we go? Nobody knows." kann man mit einem Lächeln trotzen. Eine Kombination aus Traurigkeit, Wärme und verhaltenem Optimismus zeichnet das gesamte Album aus. Coldplays Zweitwerk trägt eine zarte, gebrochene Schönheit in sich, die dennoch wie aus einem Guss wirkt und zur Stärke wird. Dank des ehrlichen Eingestehens innerer Widersprüche und eigener Unsicherheit berühren die elf Songs ungemein und beweisen letztendlich Mut und Selbstbewusstsein. Hut ab!

Leserbewertung: 10.6/12

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Kommentare (1)

Avatar von animalgod animalgod 22.02.2009 | 17:36

Hand aufs Herz: Wer hätte vor fast 7 Jahren wirklich gedacht, dass aus diesen 4 schüchternen Burschen aus England mal absolute Megastars werden? Ich jedenfalls nicht. "Parachutes", ihr Debüt von 2000, hatte ich noch nicht gehört. Nur die Videos zu "Don`t Panic" und "Yellow" hatte ich mit etwas Langeweile im Musikfernsehen verfolgt.
Im Sommer 2002 erblickte nun der lang erwartete Nachfolger das Licht der Welt. Auch hier lies mich die Euphorie, die die Musikwelt für "A Rush Of Blood To The Head" sowie dessen erster Single "In My Place" aufbrachte völlig kalt. Es verstrich ein bisschen Zeit, das Video zu "The Scientist" rotierte mittlerweile heftig auf MTV und "A Rush Of Blood To The Head" stand urplötzlich in meinem CD-Regal. Ich war einfach neugierig geworden und musste unbedingt in das Album reinhören. Schon nach den ersten 4 Liedern nahm ich die Kopfhörer wieder von meinem Kopf runter und kaufte das Album. Aus den 4 Langweilern von "Parachutes" waren richtige Musiker geworden, die es jetzt verstanden Popmusik zu machen, die anspruchsvoll, tiefgehend und trotzdem immer noch bescheiden war. Als ob die Band einen magischen Moment erlebt haben muss, reiht sich hier ein Popjuwel an dem nächsten. Nicht nur die 4 Hits "In My Place", "The Scientist", "Clocks" und "God Put A Smile Upon Your Face", sondern auch das fast schon bombastische "Politik", die Ballade "Warning Sign" sowie der krönende Abschluss "Amsterdam" zeugten von einer Reife und Souveränität, die Coldplay später leider nie wieder an den Tag legten.
Der lange Schatten, den "A Rush Of Blood To The Head" auf die Karriere von Coldplay wirft, ist nicht zu übersehen. Es ist das Album, auf das sich sowohl Fans als auch Kritiker gleichermaßen bis heute einigen können.

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