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Live - V

V

4-Ohren-Test

Eigentlich waren alle Live-Platten nach "Throwing Copper" schwierig. Album Nummer Fünf bildet da keine Ausnahme. Im ersten Durchgang muss man sich an die teilweise sehr hohe Stimmlage von Ed Kowalczyk gewöhnen, im zweiten an die größtenteils bombastischen Arrangements; im dritten schließlich geht die Saat auf. Man muss es nur wollen. Es lohnt sich. Zugegeben, das Ganze ist ein krudes Mischmasch zwischen Alternative und Classic Rock. Die Live-typischen Merkmale, ständige Wechsel zwischen langsam und schnell, laut und leise, werden ergänzt durch Rap-Einlagen ("Like A Soldier"), Bombastchöre Marke Queen (in "People Like You" wird sogar der Bandname im Text erwähnt) oder klassische Rocksoli im Stile von Deep Purple (wie in "Transmit Your Love"). Ein weiterer Volltreffer, diesmal könnte man Led Zeppelin als Vergleich oder Quelle anführen, ist das schon vom "Mummy II"-Soundtrack bekannte Epos "Forever May Not Be Long Enough". Oder dieser elektrisierende Akustikpart in "Flow". Dazu noch die Zusammenarbeit mit Tricky auf zwei Songs... Live waren wohl noch nie so flexibel. Und gleichzeitig verwirrend. Das kann überfordern oder süchtig machen. Meine Meinung sieht man an der Punktzahl. Ob die Band ihren Fans mit diesem Rundumschlag allerdings einen Gefallen getan hat, wird abzuwarten sein.
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Bis jetzt waren Live ja immer nur langweilig. Saßen with arms wide open in ihren Pathoslogen, sangen Lieder übers Alleinsein und schreiende Delphine und verkauften Dramen, weil sie in der Dynamik-Grundschule (laut/leise, hart/soft, schnell/langsam) ausnahmsweise mal nicht autistisch in der Ecke saßen und hochgradig emotionale Lappalie in ihr Tagebuch kritzelten. Ist ja nicht weiter schlimm - sowas muss es wohl geben, und in den letzten Jahren wurde es ja (gottlob?) bedeutend ruhiger um Ko & Co. Nun sind sie zurück, die gepflegte und gut gemachte Langeweile ist jedoch teilweise befremdlichem Entsetzen gewichen. Was ist denn in die gefahren? "V" mutet wohl nicht zufällig schon im Titel wie eine Led Zep-Reminiszenz an, sondern manifestiert sich als solche stellenweise auch in Kowalczyks ausgeprägtem Faible für Plants hochgezogenen Pressgesangsstil. Soll das brusthaarrockig oder gar sexy sein? Tut mir leid, ist es nicht. Genauso wenig wie Ofra Haza-Gesänge, Beats und Raps - zumindest nicht auf einer Live-Platte. Eine Band in der Midlife-Crisis verstrickt sich in ihrer Ambition, relevant zu bleiben und mit der Zeit zu gehen. Nicht nur das erinnert an U2s "Achtung Baby"...
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Leserbewertung: 8.5/12

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