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Red Hot Chili Peppers - Return Of The Dream Canteen

Return Of The Dream Canteen

Mit der Zeit wurden die Abstände zwischen ihren Alben eher länger als kürzer, aber so schnell waren die Red Hot Chili Peppers noch nie: Ein halbes Jahr nach "Unlimited Love" folgt sein experimentellerer Nachfolger. Keine Resterampe, sondern ein Album auf Augenhöhe.

Schon deshalb war es der Band so wichtig, die Eigenständigkeit von "Return Of The Dream Canteen" zu betonen, nicht zuletzt über die Wahl des grandios verkitschten Hippie-Artworks, das wenig gemeinsam hat mit den Neonlettern unterm Nachthimmel auf dem Cover von "Unlimited Love". Ein Wurmloch von der einen zur anderen Platte gibt es aber: Der Refrain von "Roulette" ist im Kern ein Remake des Refrains von "Bastards Of Light" auf "Unlimited Love". Umso spannender ist es zu hören, wie die Band nun eine völlig andere Strophe drum herum baut, indem Frusciante seine Chorus-getränkte Gitarre auf einen AOR-Trip in die 80er schickt. Noch tiefer vor diesem für sie so wegweisenden Jahrzehnt verneigen sie sich in "Eddie", ihrer Ode an den 2020 gestorbenen Eddie Van Halen, den sowohl Anthony Kiedis als auch Frusciante auf ihre Weise als Pionier des Gitarren-Tappings würdigen. "Got hammers in both my hands/ Such a delicate touch", singt Kiedis, bevor Frusciante den halben Song mit einem XL-Solo für sich beansprucht. Als hätte er damit sein Soll er füllt, lässt er die Muskeln auf "Return Of The Dream Canteen" nur noch selten spielen. Und bleibt doch unbestritten der kreative Lenker der 17 Songs, die mal mehr, mal weniger stark Richtung Funk, Synthiepop, Prog, Metal und – "Carry Me Home" erbringt den Beweis – Bluesrock ausschlagen. In einem Podcast-Gespräch mit Produzent Rick Rubin legte Frusciante jüngst offen, wie er nach seinem ersten Wiedereinstieg in die Band, vor "Californication" (1999) den Plan fasste, den rohen Funk-Punk der frühen Red Hot Chili Peppers mit ihrem wachsenden Pop-Appeal innerhalb einzelner Songs zu verbinden, nachdem die Band diese beiden Klangfarben auf "Blood Sugar Sex Magik" (1991) noch bewusst von einander getrennt hatte. Für seine dritte Amtszeit kann man das Konzept "Symbiose statt Koexistenz" als gegeben nehmen: Stücke wie "Afterlife", "Bella" oder "The Drummer" pendeln souverän zwischen zackig und zurückgenommen. Da wirkt es fast ironisch, dass ausgerechnet zwei Balladen die kompositorische Wucht belegen, zu der die Red Hot Chili Peppers nach fast 40 Jahren imstande sind: hier das butterweich schwelgende "Handful" mit seinem aufflammenden Instrumental-Mittelteil, dort das genauso genial mit Bläsern unterlegte und von schweren Klavierakkorden getragene "La La La La La La La La". Eine neue Platte, eine neue Seite dieser Band. Es kann ewig so weitergehen.

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