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0 Autor: Toby Schaper

Ozzy Osbourne - Patient Number 9

Patient Number 9

Im Spätherbst seiner Karriere hat man dem "Madman" sein opulentestes Album auf den Leib produziert; er selbst wirkt darin allerdings nur noch wie ein weiteres Puzzleteil.

Ozzy Osbourne ist nach wie vor einer der stärksten Markennamen in der Metal-Welt. Der hochbegabte Produzent und Gitarrist Andrew Watt, bislang vor allem mit seiner Arbeit für HipHop- und Pop-Stars wie Post Malone, Lana Del Rey oder Justin Bieber zu Ruhm und Reichtum gekommen, hat das präzise erkannt und ihm vor zwei Jahren mit "Ordinary Man" ein Album designt, das alle Ozzy-Trademarks vereint und die müden Trendanbiederungen der 00er Jahre vergessen gemacht hat. Dieses Rezept hat Watt nun noch weiter ausgedehnt: Erneut hat der Produzent eine kompetente Rumpfmannschaft mit Red Hot Chili Peppers-Drummer Chad Smith und Metallica-Bassist Rob Trujillo ins Studio geholt, dann aber die Stücke von verschiedenen Gitarristen weiter veredeln lassen. Diese sind präzise um Ozzys Signature-Melodien herum komponiert und trauen sich doch mehr als der etwas generische Vorgänger. Das startet schon beim eröffnenden Titelsong, der mit einer Länge von mehr als sieben Minuten und seiner Irrenhaus-Thematik auf "Diary Of A Madman" von 1981 verweist und von Jeff Becks schwerelosem Gitarrenspiel in einem fast progressiven Arrangement gekrönt wird. Eric Clapton lässt bei "One Of Those Days" die Gitarre schluchzen – so kommt eine neue Klangfarbe ins Ozzyversum. Sein alter Black Sabbath-Sidekick Tony Iommi war noch nie auf seinen Soloalben zu hören, hier ist er es gleich zweimal: Das atmosphärische "No Escape From Nowhat" etwas von "Snowblind", "Degradation Trip" erinnert durch seine Mundharmonika an "The Wizard". Beide Songs klingen natürlich nach Black-Sabbath und hätten auch auf deren Reunion-Album "13" eine gute Figur gemacht (wie auch "Evil Shuffle"). Mike McCready lässt "Immortal" nicht nach Pearl Jam klingen, sondern nach Ozzy mit leicht alternativer Schlagseite, und seine On/Off-Gitarrenaffäre Zakk Wylde weiß eh, wie er seinen Boss bedient. Selbst wenn er sich als "Prince of Darkness" inszeniert, am Ende ist Ozzy vor allem der König der Metal-Ballade. So sind wieder die ruhigen Stücke "A Thousand Shades" und "God Only Knows" die Highlights, weil sie am meisten Raum für sein melancholisches Klagen lassen und er sich mit deren Beatles-Harmonien und Streicher-Wattierungen hörbar wohlfühlt. "Patient Number 9" ist also eine weitere Sammlung perfekt durchkomponierter Songs, die durch die spritzige Rhythmusgruppe mit echtem Leben erfüllt werden, bei denen die Hauptperson allerdings lediglich wie ein weiteres Teil im Produktionsbaukasten wirkt.

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