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0 Autor: Matthias Möde/Jan Schwarzkamp

Pianos Become The Teeth - Drift

Drift

Vier-Ohren-Test

Auf Drift folgen Pianos Become The Teeth wieder ihrer Intuition – wunderbar und schonungslos emotional. "Es fühlte sich kindisch an, zu den Songs zu schreien", sagt Sänger Kyle Durfey rückblickend über den einschneidenden Wechsel von Post-Hardcore zu melancholischem Emo-Indie, den seine Band 2014 auf "Keep You" vollzog. Das Folgealbum "Wait For Love" (2018) wirkt im Vergleich blass, es bleibt das hellste und sauberste der Band, weil das hallende "Drift" wieder mit einem Mittel zupackt, das stärker ist als Schreien. Das schwermütige, teils monotone "Mouth" habe, so die Band, den Tonus für "Drift" vorgegeben, das mit "Out Of Sight" und vielsagenden Zeilen eröffnet: "Turn the lights off/ When I'm still in the room/ I'm only bright next to you/ Out of sight." Passend dazu verschwindet Durfeys Gesang im Laufe des Albums mehrfach fast hinter den hallenden, aufgeschichteten Instrumenten. Einzig "Hate Chase" fällt mit nur zwei Minuten und lauten Gitarren aus dem Rahmen. Ansonsten setzt "Drift" aggressivere Momente gut dosiert und mit großer Wirkung ein. In Songs wie "Genevieve", "The Tricks" und dem nach dem Singer/Songwriter benannten "Buckley" geht diese Mischung perfekt auf. Kein leichtes Album, aber eines, das einen durch den (nächsten) Klima-Corona-Kriegs-Sommer bringen kann.
10/12 Matthias Möde

"Drift" bietet melancholische Runterziehmusik für Menschen, die sich psychisch zusätzlich belasten wollen.Es gibt Menschen, deren Gemütslagen sich in Grauabstufungen abspielen. Manchmal liegt das sogar an Depressionen, manchmal an schlichter Traurigkeit und einem Hang zu den melancholischen Momenten im Leben. Reichlich Kunst wurde aus diesem Gefühlskosmos heraus geschaffen, etwa die gesamte Amenra-Diskografie. Seit Anbeginn ihrer Karriere als – vormals – Post-Hardcore-Band haben sich Pianos Become The Teeth der Beschissenheit der menschlichen Existenz verschrieben und vornehmlich die unschönen Aspekte des Privatlebens von Sänger und Texter Kyle Durfey verhandelt. "Drift" und seine zehn Songs bilden da keine Ausnahme. Diesmal geht es etwa um den Wunsch nach Nachwuchs – und wie kompliziert das sein kann. Nachzuhören im abschließenden "Pair". "Drift" wird so (mal wieder) zur Psychotherapie-Einheit. Das hilft weiter, wenn man begreifen möchte, dass es anderen Menschen noch beschissener als einem selbst geht, oder man sich in seinem Ungemach verstanden fühlen möchte. Trifft beides nicht zu, ist auch das fünfte Album der Band aus Baltimore, Maryland eine weinerliche Veranstaltung, die mittlerweile stark nach Idlewild klingt – abzüglich deren spannender Momente.
5/12 Jan Schwarzkamp

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