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TV Priest - My Other People

My Other People

Für TV Priest hat Wut als Fassade ausgedient: Egal, wie laut man schreit, rohe Emotionen sind noch lauter. Damit befreien sie sich nicht nur von allerhand Ballast, sondern nebenbei noch von Genre-Konventionen.

Zugegeben, schon zum Debüt "Uppers" war der naheliegende Vergleich mit Idles irreführend. Bereits 2021, als die vier Londoner auf der Post-Punk-Party aufschlugen, verfügte ihr brachialer Sound gleich über mehrere doppelte Böden. Nun ist es so, dass Sänger Charlie Drinkwater und Joe Talbot schon noch Brüder in Schnurrbart und Stimme sind, jedoch legen TV Priest für "My Other People" ihr Krawallo-Kostüm komplett ab, richten den Blick nach innen und schmeißen sich in die Arme von beißendem Noise und zartem Alternative à la frühe R.E.M. Drinkwaters brutale Ehrlichkeit mit sich selbst steht dabei im Zentrum: Zeilen wie "I need to sleep/ so very very deeply" in "One Easy Thing" zeichnen seinen Alltag mit Depressionen nach, während die Basswände und metallisch klirrende Gitarren an- und abschwellen. Mit Synthie-Flirren geht es nahtlos in "Bury Me In My Shoes" über, das neben dem Mantra "Life only comes in flashes of kindness" Noise-Gewitter in orchestrales Glänzen übergehen lässt. So wendungsreich sind fast alle Songs, nur in "The Happiest Place On Earth" wird ein anscheinend mit den Tränen kämpfender Drinkwater lediglich von einer Akustikgitarre begleitet. Am Ende wird klar: TV Priest waren nie zu spät zur Party, sie feierten schon immer ihre eigene.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.0/12

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