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0 Autor: Christian Steinbrink

Liam Gallagher - Down By The River Thames (Live)

Down By The River Thames (Live)

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Ein Feuerwerk an Hits der klassischen Oasis-Schule lässt sich auch mit Liam Gallaghers drittem Album "C’Mon You Know" nicht zünden.

Nachdem er auf dem eher schwachbrüstig poppigen Vorgänger "Why Me? Why Not." noch vieles der Ambition unterordnete, endlich wieder Ohrwürmer für den Pub-Crawl zu schaffen, versucht er das dieses Mal gar nicht erst. Stattdessen zieht sich über die gesamte Länge der zwölf Songs ein für Gallaghers Verhältnisse fast soundforscherischer Ansatz, zu dem ihn sein Team rund um Produzent Greg Kurstin angestachelt haben dürfte. Die Spannbreite reicht von äußerst schlanken bis zu ausladenden Rock'n'RollArrangements; außerdem streut Gallagher von HipHop- und Electro-Beats garnierte Rave-Tracks sowie Balladen mit Orchesterpartituren, Synthies und sogar einem Kinderchor zu Beginn ein. Selbst auf lieblichen Folk der Hippie-Epoche hat sich das Raubein dieses Mal eingelassen. Die Ergebnisse dieses Rundumschlags sind zunächst gewöhnungsbedürftig und sicher nicht alle vollends gelungen. Sie zeichnen aber auch das Bild eines mittelalten Rockstars, der zu einem Wandel seines Trademark-Sounds bereit ist. Deutlich hörbar hat sich Gallagher dabei von experimentierfreudigen Bands inspirieren lassen, die seinen Weg in den vergangenen 30 Jahren kreuzten, darunter The Verve, Kasabian und natürlich The Beatles. Zusammen mit Stargästen wie Dave Grohl oder Nick Zinner (Yeah Yeah Yeahs) schuf er Songs, die sein stilistisches Korsett nicht nur deutlich ausdehnen, sondern auch für seine künstlerische Zukunft viel mehr möglich erscheinen lassen. Für solche Aussichten kann man das Verlangen nach neuen Singalong-Hits gerne mal unterdrücken, schließlich hat Gallagher davon bereits mehr als genug im Repertoire. Wer trotzdem lieber den alten Gallagher genießen möchte, erhält sein passendes Angebot mit dem zeitgleich erscheinenden Livealbum "Down By The River Thames". Diese Aufnahme entstand entsprechend ihres Titels auf einem die Themse herunterschippernden Schiff, auf dem Gallagher während der Pandemie ein Livestream-Event veranstaltete - natürlich ohne Publikum. Sie lässt gleich mehrere Erkenntnisse zu: Gallagher hat aktuell eine vielversprechende Liveband zusammen und befindet sich selbst in guter Form. Außerdem ist er sich nicht zu fein, eine gekonnt austarierte Setlist zusammenzustellen, die alle Fan-Generationen zufriedenstellt. Auch wenn er erst ganz am Ende ein paar Worte ans Publikum richtet und die reduzierte Version von "Champagne Supernova" etwas blutleer wirkt, ist dieses Live-Dokument alles andere als überflüssig.

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