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0 Autor: Anton Stechonin

Ithaca - They Fear Us

They Fear Us

Das zweite Album von Ithaca ist erneut angetrieben von purem Hass. Umweltschonend wird es auch diesmal nicht: "They Fear Us" rechnet erbarmungslos mit den Feinden in unmittelbarer Nähe ab.

Speziell geht es um die Verantwortlichen für den Selbsthass, der 2019 das Debüt "The Language Of Injury" antrieb und nun nach außen gestülpt eine neue Spielart der Wut präsentiert. Die Londoner erweitern dabei das unbarmherzige Metalcore-Stakkato der ersten Stunde zu einem makabren Tanz aus knallenden Blastbeats, brutalen Maschinengewehr-Riffs und markerschütternden Screams auf der einen Seite und bildschönen Melodiebögen, nostalgischer Gänsehaut und ungeahnter Zärtlichkeit auf der anderen. Ithaca setzen auf Kontraste und Konfrontation, etwa wenn der Titelsong wie ein fiebriger Wutbrocken beginnt und Sängerin Djamila Azzouz nach anderthalb Minuten reinem Geschreis das dissonante Instrumental aus dem Nichts mit unbehaglichem Klargesang begleitet. Oder wenn der Closer "Hold, Be Held" nach einer knappen halben Stunde intensiver Feindseligkeit plötzlich mit verträumtem Power-Pop aus den 80ern abschließt. Die kleinen und großen Diskrepanzen zwischen Hass und Schönheit brechen die festgefahrenen Genremuster des Metalcore auf, lösen dabei eine ebenso diffuse wie faszinierende, Tim-Burtonartige Beklommenheit aus und formen die Platte damit zu einem unverhofft kathartischen Werk. "They Fear Us" ist ein wundersames Gegengift gegen ein miserables Selbstbild.

Bewertung: 9/12

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