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0 Autor: Julia Köhler

The Linda Lindas - Growing Up

Growing Up

Wenn Punk im 21. Jahrhundert in einer gewissen Größenordnung Einzug in die Popkultur hält, sollten die Ohren gespitzt werden. Deswegen lauschen auch alle besonders begeistert ins Debütalbum der Linda Lindas.

Die vier werden schließlich spätestens seit 2019 als große Hoffnung des Genres gehandelt. Damals erschien ihr Song "Racist, Sexist Boy", der allein auf Instagram über vier Millionen Aufrufe generieren konnte. The Linda Lindas, selbst alle noch im jüngeren Teenager-Alter, zelebrieren hier die Attitüde der Riot-Grrrl-Ära und erweitern sie ganz selbstverständlich mit einem intersektionalen Ansatz. Zudem ist das Stück nicht nur außerordentlich eingängig, sondern auch vollkommen DIY und mit ernstem Hintergrund: Es ist die ausdrucksstarke Antwort auf tatsächliche Diskriminierungserfahrungen der vier in ihrer Schule. Aus diesem Stoff sind Internet-Hypes gemacht und so kommt es dann auch: The Linda Lindas gehen durch die Decke, spielen mit Bands wie Bikini Kill, Best Coast und Bleached. Mit "Growing Up" erscheint nun das Debütalbum der Szene-Lieblinge, bei dem Carlos de la Garza als Produzent fungierte. Dass dieser bereits für Paramore, Bad Religion und eben Best Coast an den Reglern saß, bemerkt man der Platte im besten Sinne an. Dass Schlagzeugerin Mila de la Garza gerade einmal 11, Gitarristin Lucia de la Garza 14, Bassistin Eloise Wong 13 und der zweiten Gitarristin Bela Salazar 17 Jahre alt ist, hingegen überhaupt nicht. Dafür knirscht der Opener "Oh!" ab dem ersten Takt viel zu lässig im Fahrwasser der Alternative Nation, hier vor allem in dem von Sleater-Kinney. Ähnlich bleibt das Rezept auch in den anderen neun Songs der Platte, einzig "Cuantas Veces" sorgt mit entspannten Latin-Gitarren für ein kurzes Durchschnaufen. Aufgelockert wird der Soundmix außerdem dadurch, dass das Mikrofon zwischen den vier Bandmitgliedern hin und her wechselt. Durch diese Unmittelbarkeit und Diversität emanzipieren sich The Linda Lindas auf Albumlänge von der reinen Symbolkraft ihres jungen Alters und liefern lieber knackige Hits um die Zwei-Minuten-Marke. Ein wenig mehr Indierock klingt in "Magic" an, in "Fine" bellt sich das Quartett hingegen in bester Straßenköter-Manier durch die Gangshouts, worauf auch Amy Taylor von Amyl And The Sniffers stolz wäre. Und nicht nur sie. In der kleinen Wundertüte "Growing Up" steckt am Ende für jedes Riot Grrrl die richtige Portion DIY-Aufstand, bei dem man die Faust gegen das Patriarchat schwingt. "Oh Bondage Up Yours!" – nur eben die 2022er Version davon und mit verheißungsvoller Aussicht für die Zukunft.

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