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0 Autor: Nina Töllner

Get Well Soon - Amen

Amen

Gegen das Selbstmitleid: Konstantin Gropper croont Glückskeks-Weisheiten und tanzt in der 80er-Disco.

"Stop your whining, you’re alright", lässt sich Konstantin Gropper gleich zu Beginn des siebten Get Well Soon-Albums von einem Chor maßregeln. Auch eine weibliche Computerstimme gängelt den Tausendsassa auf "Amen" wiederholt mit ihrem monotonen Singsang. Ihr bester Spruch: "Play some funky music, German boy!" Mit selbstironischen Einlagen wie diesen setzt Gropper bewusst einen Kontrapunkt zu seinem feierlichen Crooning und dem Hang zum orchestralen Pathos. Gleichzeitig leistet er dem Wunsch der Ersatz-Siri nach mehr Dampf Folge: "My Home Is My Heart" ist ein halb tänzelndes, halb stampfendes Synthiepop-Stück in Pet Shop Boys-Tradition, "One For The Workout" schimmernder Disco-Dreampop. Und in "Us Vs. Evil" begibt sich Gropper mit dunkelnervösem Dance-Rock – und gebotener Distanz – auf Augenhöhe mit Verschwörungstheoretikern. Überhaupt lässt sich mit den behandelten Themen auf "Amen" prima Zeitgeist-Bingo spielen: Achtsamkeit, Selbstoptimierung, Milliardäre im Weltraum. Doch bei aller Skepsis ist der Grundton ein positiver. Gropper bekennt seine Liebe zur fehlerbehafteten Spezies Mensch ("I Love Humans"), sagt ja zum Leben ("Our Best Hope") und zitiert zum Abschluss Glückskeks-Botschaften ("Accept Cookies"). "Changing is the spice of life", heißt es da. Zu klassischem Get-Well-Soon-Barock-Indie zwar, doch Gropper hat mal wieder bewiesen: Eintönig wird es mit ihm nicht.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 12.0/12

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