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0 Autor: Markus Hockenbrink

Wet Leg - Wet Leg

Wet Leg

Wet Leg sind die nettesten Mean Girls seit Ewigkeiten. Ihr schlagfertiger Humor entspringt dem Internetzeitalter, doch ihre Herzen schlagen analog.

"Okay, I've been practicing my longest and loudest scream. Okay, here we go... One, two, three: Aaaaaayyyyyyy!" Unter den großen Schreien der Rock'n'Roll-Geschichte sind die zwölf Sekunden, die Rhian Teasdale und Hester Chambers auf "Ur Mum" zustande bringen, zwar nicht die längsten und die lautesten, aber definitiv die, bei denen man gerne mitkreischen möchte. Nach zwei Jahren Pandemie sind soziale Begegnungen noch schwerer zu deuten als zuvor, doch Wet Leg manövrieren sich stellvertretend für uns alle hindurch. Eigentlich handeln die meisten ihrer Songs nur von "Loving You" und "Piece Of Shit" und wie man von einem zum anderen kommt, aber die Methode ist herzerfrischend. Genau wie auf ihrem Überraschungshit "Chaise Longue" flirtet das Duo mit allem, was sarkastisch und lakonisch ist und sich in ihrem koketten Singsang noch einmal ein Stückchen abgeklärter anhört. Dabei verstehen die beiden instinktiv, dass Selbstironie mit das Wichtigste ist, um Beziehungssongs erträglich zu machen. Das zweitwichtigste ist dann die verbindliche Herzlichkeit, die unter den zwölf Stücken voller Popkulturverweise und One-Linern zum Vorschein kommt. Da kann es dann auch mal sehr traurig werden mitten in der Kissenschlacht und sehr einsam vor dem Smartphone. Man müsste glatt eine Band gründen und Songs darüber schreiben.

Bewertung: 9/12

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