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0 Autor: Toni Meese

Eddie Vedder - Earthling

Earthling

Zwei Soloalben hat Pearl Jam-Frontmann Eddie Vedder schon auf dem Buckel (drei, wenn man den Soundtrack zu "Flag Day" dazu zählt), nun erscheint mit "Earthling" seine dritte Platte. Gibt es wieder von Americana triefenden Folk Rock, der gefährlich mit der Mittelmäßgikeit kokettiert wie auf den Vorgängern? Jein.

Vedder probiert sich auf "Earthling" an Stadion-Rock, mit eher mittelprächtigen Erfolg. Erhalten bleibt das Pathos des rebellischen Troubadour, das Vedder allzu gern bedient, in seiner Solokarriere aber bis jetzt nur beim fantastischen Soundtrack zu "Into The Wild" richtig funktioniert hat. Fairerweise gab es hier aber auch Unterstützung durch die Bildgewalt und die Botschaften des dazugehörigen Films von Sean Penn, die den Songs eine einmalige Tiefe und Kraft verliehen. Das Charisma, das Vedder damals in seine Songs bannte, sucht man auf "Earthling" vergebens. Fans seiner signifikanten Stimme finden trotzdem den ein oder anderen guten Song, etwa das dynamische "Brother The Cloud" oder das warme, fast schon psychedelische "On My Way". Mehr als kurzweilige Zerstreuung dürfen aber auch eingefleischte Fans nicht erwarten. Allzu sehr versucht Vedder, sich der subversiven Energie von Bruce Springsteen und seiner E Street Band zu bemächtigen, ärgerlicherweise bleibt es beim schlichten Versuch. Zur Kompensation wird im Pressematerial mit prominenten Kooperationspartnern geworben, unter anderem mit Elton John, Stevie Wonder und Ringo Starr, der gewünschte Effekt bleibt aber zumindest musikalisch aus. Vedders Songs lassen größtenteils den Zeitgeist vermissen, aber auch die vermutlich angestrebte Zeitlosigkeit will sich nicht einstellen. Zu austauschbar, zu formelhaft bleibt "Earthling", zu beliebig klingen viele der Songs. Hier und da erinnert die Stimmung des Albums an Bradley Coopers Charakter Jackson Maine aus dem Film "A Star Is Born": ein etwas abgehalfterter Rockstar, aus der Zeit gefallen und dazu verdammt, langsam in die Bedeutungslosigkeit abzudriften. Dabei ist "Earthling" nie wirklich aggressiv schlecht. Die Produktion ist warm und organisch, stets angepasst an die stilistischen Anforderungen des jeweiligen Songs. Vor allem im bereits erwähnten "On My Way" kommt diese Stärke zum Tragen. Wenn Vedders Stimme verzerrt in den Hintergrund rückt und die flirrenden Gitarren den Löwenanteil der Aufmerksamkeit bekommen, blitzt sein Potenzial auf. Allerdings schafft es kein weiterer Song auf "Earthling", dieses Potenzial auch nur anzudeuten, und so bleibt das Album bieder und handzahm. Und der Wunsch an Vedder, mutiger zu sein.

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