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1 Autor: Vivien Stellmach

Billy Talent - Crisis Of Faith

Crisis Of Faith
  • VÖ: 21.01.2022
  • Label: Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 347 - Schönheit der Ausgabe

Das sechste Album von Billy Talent könnte in dieser Zeit nicht passender betitelt sein: "Crisis Of Faith" steckt voller Kritik an Gesellschaft und Regierung - und legt neue musikalische Facetten der Kanadier offen.

"Stuck in a crisis without conscience, trapped in a place we don’t belong", leitet Sänger Ben Kowalewicz das straighte "Reckless Paradise" ein und beschreibt damit sehr genau, wie es zahlreichen Billy Talent-Fans in den vergangenen zwei Jahren ergangen sein dürfte. Die Pandemie hat viele Menschen an ihre psychischen und physischen Grenzen getrieben. Billy Talent waren zumindest gezwungen, die Veröffentlichung von "Crisis Of Faith" immer weiter nach hinten zu schieben. Obwohl das Album sich nicht speziell auf die fortwährende Krise bezieht, ist es doch erschreckend nah am Puls der Zeit. "Crooks and deceivers/ Misled believers/ Our worldwide decency is gone", heißt es im knallig-dramatischen "Reckless Paradise" weiter. Und dann: "I know that something has to change/ We got lost along the way." Aber Billy Talent wären nicht Billy Talent, wenn sie nicht auch Hoffnung schüren würden, etwa in "I Beg To Differ (This Will Get Better)", einer mitreißenden Underdog-Hymne, die thematisch auch auf dem Vorgängeralbum "Afraid Of Heights" (2016) eine gute Figur gemacht hätte: "When you feel so lost that you don’t belong/ Well, I beg to differ/ As time goes on, this will get better", schreit Kowalewicz im Refrain. Billy Talent spielen auf "Crisis Of Faith" viele gewohnte Stärken aus, im anderthalbminütigen "Judged" lassen sie ihre Punkrock-Vergangenheit zackig und laut aufleben. "Your hateful rhetoric is so carefree/ Why can’t you see what it feels like to be judged for being born in your skin?", heißt es hier kritisch. Doch das ist musikalisch nicht alles: Der Opener und Doppel-Song "Forgiveness I + II", den Billy Talent schon Ende 2019 veröffentlicht hatten, erinnert zunächst mit seinen vertrackten Gitarren an Tool – und präsentiert die Band im zweiten Teil plötzlich von einer ruhigen, atmosphärischen Seite. Proggige Synthesizer treffen auf ein melodisches Jazz-Saxofon, das den Kanadiern einen merkwürdigen Charme verleiht. Und auch mit "End Of Me" zeigen sich Billy Talent experimentier- und spielfreudig: Der Song ist eine Ode an den Alternative Rock der 90er und markiert die erste Zusammenarbeit der Band mit Rivers Cuomo, der Kowalewicz gesanglich unterstützt und fröhlich-verzerrte Weezer-Gitarren mitbringt. Mehr im Ohr kleben bleibt nur das leichtfüßige "Hanging Out With All The Wrong People", das mit seinem gleichnamigen Mantra im Refrain der Ohrwurm der Platte ist.

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Kommentare (1)

Avatar von wilder rockerr wilder rockerr 23.01.2022 | 17:07

Kann nicht verstehen, warum die Plate hier gut ankommt bzw. die band überhaupt bei der VISIONS zu hoffiert wird. Fast könnte man meinen, die Band sei für die Redaktion eine heilige Kuh und man dürfte nichts schlechtes über die band sagen. Schon das sehr lahme letzte Album von 2016 bekam hier eine überaus kritische wohlwollende Rezension. Kritik ob latenter Einfallslosigkeit? Fehlanzeige.

Und zum neuen Album: Die guten songs sind fast ausschließlich die bereits bekannten. Forgivness I & II ist ein interessantes Experiment, aber als Opener völlig unpassend (wäre besser der Albumabschluss gewesen), "Reckless paradise" geht auch noch klar, selbst wenn es "Devil in the midnight mass" in nicht ganz so gut ist. Von den neuen bisher unbekannten Songs steht noch "Reactor" auf der Habenseite. "the wolf" und "Hanging out" sind wie das plumpe "Judged" abolute Totalausfälle. Und beim Albumcloser hat man scheinbar ganz viel ABBA gehört, denn der refrain erinnert doch frappierend an die schwedischen pop-Granden.

Ein Albumflow will zu keiner Zeit aufkommen. Was ist der Charakter der Platte? Alles wirkt wild zusammengewürfelt, die Songreihenfolge hat die band wohl ausgeknobelt.
Obwohl man sich 6 Jahre für ein Album Zeit gelassen hat, sind gerade einmal maue 35 Minuten zusammen gekommen. Keine ideen gehabt? Da will man gar nicht wissen, wie die Songs klingen, die es nicht aufs Album geschafft haben...

Dank einer handvoll ordentlicher Songs würde ich maximal (!) eine 6/12 geben, auch wenn man alles schon mal mitreißender gehört hat. Billy Talent sind im jahr 2021 nur noch eine Band unter vielen. Weder besonders gut noch himmelsschreiend schlecht.
Die Aufmerksamkeit und den Applaus , welche sie hier von VISIONS aufkommt, ains schon lange nicht mehr gerechtfertigt.

PS: Und der Vergleich zu Tool hier kann selbst mit viel gutem Willen nur augenzwinkernd gemeint sein.

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