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0 Autor: Jonas Silbermann-Schön

Damon Albarn - The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows

The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows
  • VÖ: 12.11.2021
  • Label: Transgressive/Pias/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 345

Inspiriert von den Landschaften Islands zeigt Damon Albarn, warum er die Britpop-Antithese zu den Gallaghers ist.

Völlig unbehelligt von Eitelkeiten und kommerziellen Erfolgen veröffentlicht Albarn nämlich mit seinem gespenstisch-schönen zweiten Album eine fesselnde Mischung aus meditativer Poesie und abstrakten Arrangements, die nicht auf den nächsten Hit lauert. Schon in "Everyday Robots" fühlte sich der ehemalige Blur-Frontmann erschlagen von der Technologie-geförderten Entfremdung der Menschen untereinander. "The Nearer The Fountain…" ist die Konsequenz daraus. Albarn zog sich mit einem klassischen Ensemble in sein Haus in Reykjavík zurück und orchestrierte die karge Vulkanlandschaft. Was akustisch und geographisch an Sigur Rós erinnert, wird vermischt mit Eno-Ambient-Sounds und Electronica, woraus eine vernebelte Kulisse wie über den Lagunen Islands entsteht. Über dem melancholischen Titelsong schweben nicht nur atonale Streicher, sondern auch der Geist von Tony Allen, dessen Tod Albarn darin verarbeitet: "You seemed immortal/ To my heart you were nearest". "Royal Morning Blue" wiederum lässt mit Synthies und Beats Gorillaz-Fans aufhorchen, die seit "Plastic Beach" Albarn nur noch selten so nah erleben durften. "Combustion" glänzt dann mit Weirdo-Glam und durchgedrehtem Jazz. Auch wenn der Klimawandel nicht explizit Thema ist, fängt Albarn vor allem die fragile Erhabenheit der Natur ein, die bedroht ist, und setzt der Weltuntergangsstimmung ein Denkmal.

Bewertung: 9/12

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