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Death From Above 1979 - Is 4 Lovers

Is 4 Lovers
  • VÖ: 26.03.2021
  • Label: Everything Eleven
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 337 - Schönheit der Ausgabe

Das vierte Album der kanadischen Dance-Punks besticht und überrascht mit ausgeklügelter A- und B-Seiten-Dramaturgie. Was laut beginnt, endet bedächtig. Die Qualität bleibt hoch.

Jesse F. Keeler und Sebastien Grainger haben Anfang der 00er Jahre etwas immens Zeitloses erschaffen, als sie ihre Minimalband Death From Above 1979 ins Leben riefen. Keeler liefert catchy Riffs auf seinem Fuzz-Bass oder wahlweise Sounds vom Bass-Moog. Grainger spielt als Sänger ausgerechnet Schlagzeug. Was live meist ein immenser Kraftakt für ihn ist, da er sich gegen Keelers Bass-Macht behaupten muss, ist auf Platte ungleich besser austariert. Gerade, weil Grainger ein hervorragender Sänger ist, der sexy und lasziv zwischen souligem Crooning und Kopfstimme wechselt. Dass er zeitgleich tighte Grooves ballert, ist ein ziemliches Wunder. Das Debüt "You’re A Woman, I’m A Machine" war 2004 der erfolgreiche Kickstart. Mit The Physical World folgte zehn Jahre später endlich die Fortsetzung, die im Rückblick ein wenig unterwältigend geriet. Umso mitreißender war 2017 "Outrage Is Now!". Da kann "Is 4 Lovers" nicht ganz mithalten, will es auch nicht. Das vierte Album emanzipiert sich lieber. Zwischen "Modern Guy" und "Totally Wiped Out" gibt einem die A-Seite das, was man so an der Band liebt und von ihr will: rüden, mitreißenden und groovenden Dance-Punk von zwei Typen, die früher Mal Hardcore gespielt haben, deren Riffs so wichtig sind wie die pumpenden Analog-Beats, bei denen alles derart auf Elf gedreht ist, dass sich der Noise immer wieder Bahn bricht. Die Band hat das jetzt in Eigenregie hervorragend inszeniert. Trotz des Wummerns und Ballerns klingen die Songs transparent. Es passiert eine ganze Menge im Hintergrund: zusätzliche Stimmebenen ("One+One"), In- und Outro-Fetzen, später elektronische Sphären. Mit "N.Y.C. Power Elite" gibt es sogar einen zweiteiligen Song. Die Überraschungen tauchen auf der B-Seite auf. "Glass Homes" hat synthetische Effekte, die nach dem prähistorischen Computerspiel Pong klingen, fährt den Rock-Appeal zurück und zeigt die Band von ihrer elektropoppigen Seite – was ihr selbstverständlich steht. "Love Letter" ist mit über vier Minuten der längste Song – und der reduzierteste. Keeler setzt sich dafür ans Piano, Grainger spielt einen sachten HipHop-Beat – ein Liebeslied. "Mean Streets" behält zunächst das Klavier bei, wirkt wie eine Fortführung, bis der Song in einen ballernden Hardcore-Brocken mit Blastbeat mutiert und sich nach hinten neu öffnet. All das in 2:25 Minuten. "No War" beendet "Is 4 Lovers" im melancholischen Gestus einer Band, die wie ein gezähmtes Biest klingt. Das hat Haltung.

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