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0 Autor: Juliane Kehr

Foo Fighters - Medicine At Midnight

Medicine At Midnight
  • VÖ: 05.02.2021
  • Label: Ariola/Sony
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 335 - Platte des Monats

Die Foo Fighters feiern ihr zehntes Studioalbum mit einem Jahr Verspätung. Aufgenommen haben sie es in einem "abgefuckten Geisterhaus", wie es ihr Frontmann Dave Grohl umschreibt. Das klingt vielversprechend. Und Grohl ist bekanntlich einer, der seine Versprechen hält.

Ja, es ist ein Jubiläum und nein, mit Akustikgitarren in den Sonnenuntergang zu reiten, fällt aus, gibt Grohl bei der Ankündigung von "Medicine At Midnight" im November zu Protokoll. Ein bisschen Glamour - immerhin produzierte wie auf "Concrete And Gold" wieder Greg Kurstin (Adele, Beck, Kylie Minogue) - darf es dann aber schon sein, und so eröffnet ein überschwänglicher Chor in "Making Fire" die Platte: "Halleluja, spread the news, don't believe the hype", singt Grohl. Kernige Gitarren und ein angenehm hallender, ungeschliffener Schlagzeugsound von Grohls Bruder im Geiste, Taylor Hawkins, veredeln den Opener.

Das folgende, bereits veröffentlichte "Shame, Shame" fesselt als düstere, hypnotische Ode an das Scheitern mit treibendem Schlagzeug und melancholischen Zeilen im hymnischen Refrain: "Another splinter under the skin/ Another season of loneliness/ I found a reason and buried it/ Beneath the mountain of emptiness". "Cloud Spotter" vereint im Anschluss funky Discobeats und harte Gitarren, denn statt eines schnöden, aber schönen Sonnenuntergangs feiern die Foo Fighters Rock, indem sie ihn mit allem versetzen, was ihnen der Geist im verwunschenen Studio so einflüstert: R'n'B, Funk, Metal oder sogar Pop, denn nur so bleibt er frisch. Das folgende "Waiting On A War" verpackt die ständige, schleichende Angst vor dem Moment, in dem das Unheil draußen in der Welt die klebrigen Finger nach einem ausstreckt, in eine typische Foo-Fighters-Melodie. Es ist eine Angst, die Grohl als Kind begleitete und die er im Song ganz bewusst positiv konnotiert. Der Titelsong greift mit akzentuierten Bässen, die auch aus einem Queen-Song stammen könnten, das Geheimnisvoll-Melancholische wieder auf und schafft spannende Reibung: Heilung gibt es keine, stellt Grohl singend fest und überlässt die Bühne der Lead-Gitarre von Chris Shiflett. "No Son Of Mine" zieht dann einen energischen Schlussstrich unter die ruhigeren Töne, mit einem Riff, das sich Grohl offenbar von seinem Vorbild Lemmy von Motörhead ausgeliehen hat: Grohl wütet, die Gitarren ergießen sich in einem Crescendo aus Hardcore-Punk und Rock And Roll, alles drängt nach vorn, Hawkins peitscht sein Schlagzeug voran und scheucht den Rest der Band gleich mit.

"Chasing Birds" ist der balladeske Gegenpol zu diesem ungestümen Bestandteil des Foo-Fighters-Sounds: "The road to hell is paved with good intentions, dark inventions of mine/ The road to hell is paved with broken parts, bleeding hearts like mine", haucht Grohl zu entrückt schwingenden Gitarren, bevor im abschließenden "Love Dies Young" wieder harte Gitarren zu optimistisch poppigen Melodien das Ruder übernehmen und die Party zu einem gebührenden Ende bringen. Ragten auf dem unmittelbaren Vorgänger "Concrete And Gold" nur wenige Glanzstücke aus der sonst matten Mittelmäßigkeit heraus, gelingt der Band hier ein Album, so wandelbar und dennoch unverkennbar aus einem Guss wie zuletzt 2011 "Wasting Light".

Leserbewertung: 7.0/12

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