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Deafheaven - 10 Years Gone

10 Years Gone
  • VÖ: 04.12.2020
  • Label: Sargent House/Cargo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 333

Weil sie ihre Jubiläumstour absagen mussten, veröffentlichen Deafheaven zu ihrem zehnjährigen Bestehen ein Quasi-Livealbum, das erneut unterstreicht, wie bemerkenswert und bahnbrechend sich ihre Songs zwischen Black-Metal, Post-Rock und Shoegaze entfalten.

Ein klassisches Livealbum ist "10 Years Gone" nicht, es handelt sich nicht um einen oder mehrere Mitschnitte von Konzerten, sondern um acht Songs, die die Band aus San Francisco live mit Produzent Jack Shirley eingespielt hat. Was nach einer möglichen Mogelpackung klingt, hat durchaus Vorteile: Frontmann George Clarke, der auf der Bühne mit seinem exzentrischen Auftreten die Blicke auf sich zieht, lenkt nicht vom grandiosen Zusammenspiel der Band ab, zu dem natürlich auch seine Stimme zählt; der Song "From The Kettle Onto The Coil", der 2014 digital im Rahmen einer Adult-Swim-Singles-Serie erschien, ist erstmals auf Vinyl erhältlich und zwei alte Songs nun mit neu gewonnenen Qualitäten und besserem Sound zu hören. Dazu gehört mit "Daedalus" der erste Song, den Deafheaven je geschrieben haben. Im Original erschien er 2010 auf ihrer via Bandcamp und als Kassette veröffentlichten Demo-EP, heute klingt er weniger rasselnd, qualitativ besser und ist rund eine Minute kürzer. Der Song spielt noch nicht mit verschiedenen Genres, sondern setzt vor allem auf Black Metal, der etwa ab der Mitte ausgebremst wird, womit Deafheaven bereits 2010 andeuten, wozu sie bald in der Lage sein werden. Der zweite ältere Song, "Languages Games", erschienen 2011 auf dem Album "Roads To Judah", ist nun ebenfalls rund eine Minute kompakter und experimentiert weiterhin mit einer schwebenden Post-Rock-Passage. Die Neuaufnahme verdeutlicht, welchen Wandel Deafheaven in zehn Jahren durchlebt haben und über welche Einzigartigkeit und Klasse ihr Zusammenspiel seit einigen Jahren verfügt. Mit ihrem zweiten Album "Sunbather" hatte die Band 2013 ihren Sound geöffnet und sich von Genre-Grenzen freigemacht, Blastbeats und Gekeife mit Melodien und Melancholie verschmolzen, wohlige Wärme mit finsterer Kälte. Aus dieser Zeit stammt auch das 14-minütige Auf und Ab von "Vertigo", das hier noch kraftvoller klingt und mehrfach zwischen Post-Rock und Black-Metal pendelt. Mit "Dream House" und "The Pecan Tree" sind zwei weitere Songs des Albums auf "10 Years Gone" vertreten. Von den beiden jüngsten Platten ist jeweils nur ein Song enthalten: "Glint" von "Ordinary Corrupt Human Love" (2018), von "New Bermuda" (2015) das von Metal-Solo-Gitarren durchzogene "Baby Blue". Besser wird es nur noch, wenn man diesen perfekt gespielten Wahnsinn wieder wirklich live erleben kann.

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