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0 Autor: Markus Hockenbrink / Martin Iordanidis

Cloud Nothings - The Shadow I Remember

The Shadow I Remember

Vier-Ohren-Test

Nicht jeder kann drei sehr solide Alben in einem knappen Jahr rauspauken. Cloud Nothings schon. Nostalgie sucht die Wärme im erkalteten Nest, heißt es. Und ein bisschen Nostalgie ist immer dabei, wenn Cloud Nothings eine neue Platte machen, zumindest musikalisch. Dylan Baldi klingt wie Kurt Cobain hätte klingen können, wenn der ein bisschen weniger labil gewesen wäre, oder gestählt durch moderne Internet-Ironie. "The Shadow I Remember" wurde in Minimalbesetzung eingespielt, knapp 32 Minuten im Vorwärtsgang, bei denen man trotz genügend Geschrei immer spürt, dass die Geschichte am Ende gut ausgeht. "Don't know how to find what I'm looking for/ But I know how I want what I see", singt Baldi, die Stimme strapaziert, aber die Seele in Sicherheit. Die Würze in der Kürze und die fransenfreie Darbietung stehen der Band gut, denn wenn etwas an Emo nervte, dann die ganze Theatralik und Larmoyanz. Dafür hat das neue und tatsächlich dritte Album in acht Monaten gar keine Zeit. "The Spirit Of", "Only Light", "Sound Of Alarm" – alle verbrennen in jeweils 150 Sekunden und setzen dabei Lebensfreude frei wie havarierte Kernkraftwerke Strahlung. Wie war das mit der Nostalgie? Die beste Zeit ist eindeutig jetzt! Und jetzt! Und jetzt!
9/12 Markus Hockenbrink

Cloud Nothings' LoFi ist wie Koriander: Geht oder geht gar nicht. Dieses Album erleichtert die Entscheidung. Sensationell: Dylan Baldi und seine Band befinden sich angeblich immer auf der Suche nach dem perfekten Popsong. Auch Steve Albini sucht mit. Damit sind sie der beste Beweis dafür, dass auch eine lange Reise mit dem ersten Schritt enden kann. Reden wir nicht zu lange darüber, wie sehr Musiker gegeneinander arbeiten können, während sie zusammen denselben Song spielen. Das haben Cloud Nothings raus, seit sie sich nach stressigen Uni-Tagen zum Anger Management in der elterlichen Garage verabreden. Da hat sich einiges verselbstständigt. Den Titel als "The Most Annoying Drummer Ever" hält zwar bis heute ein Schlagzeug spielender Youtube-Opa, aber Cloud-Nothings-Drummer Jayson Gerycz ist ihm inzwischen dicht auf den Fersen. Wie ein Stöcke haltender Kaffeeautomat planiert er mit schepperndem Geballer alles, was Frontmann Baldi vorne zu bieten hat, um der Anti-Rock'n'Roll-Attitüde elf neue Denkmäler zu setzen. In "A Longer Moon" drückt Baldi dafür alles in die Wurstpelle, was das Genre für Leadgitarristen vorsieht: die bewusste Verneinung von allem, was andere zum Schritt ins Solo-Scheinwerferlicht berechtigt. Dann doch lieber Koriander.
4/12 Martin Iordanidis

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