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0 Autor: Toby Schaper

AC/DC - Power Up

Power Up

Wie durch ein Wunder präsentieren die totgeglaubten Hardrock-Superstars noch einmal ein famoses Album voller bierseliger Hymnen fürs Stadion.

Wer dachte, das gelungene Comeback von Tattergreis Ozzy Osbourne im Frühjahr wäre das unwahrscheinlichste Album des Jahres gewesen, wird eines Besseren belehrt: Wie war die Situation bei AC/DC noch vor drei Jahren? Sänger taub, Rhythmusgitarrist tot, Drummer drogenabhängig und wegen versuchten Auftragsmordes vor Gericht und der Bassist in Rente. Aber AC/DC sterben erst, wenn Angus Young stirbt, denn der hat keine anderen Hobbys und kann nichts, außer manisch Gitarre zu spielen. Also hat er den Haufen in einer Notbesetzung am Leben gehalten, wie ein irrer Traum erschien Axl Rose als Brian-Johnson-Ersatz. Doch irgendwie hat sich alles wieder gefügt, Johnson hat funktionierende Hörgeräte, Phil Rudd war auf Entzug, Cliff Williams die Rente doch zu langweilig, und Malcom Young hat wie schon auf dem mediokren Vorgängeralbum "Rock Or Bust" sein quasi baugleicher Neffe Stevie Young zumindest bestmöglich ersetzt. Es scheint, als müsse man erst ganz unten angekommen sein, um neue Energie freizusetzen – "Power Up" ist jedenfalls eine Rückkehr mindestens zur Form des unterschätzten "Flick Of The Switch", die so nicht zu erwarten war. Johnson scheint nicht mehr gegen seine eigene Schwerhörigkeit anzuschreien, klingt weniger gepresst als zuletzt, und die Band hat ihre namensgebende Elektrizität zurück, stoisch vorangetrieben von Rudd, dem nach wie vor abgewichstesten Schlagzeuger der Rockwelt. Was aber vor allem zählt, sind die Kompositionen: Waren auf den letzten vier Alben jeweils ein, zwei Singles, die sich verschämt ins Liveset schmuggeln ließen, sind auf "Power Up" eher die Songs die Ausnahme, die sich nicht nahtlos zwischen "For Those About To Rock" und "You Shook Me All Night Long" einfügen lassen. Die Vorab-Single "Shot In The Dark" ist zwar nicht mal der stärkste Song, das staubtrockene "Kick You When You’re Down" könnte einen mitreißenderen Chorus vertragen, "Rejection" ist etwas unauffällig, hat aber niedliche "Uuuhuu“"-Backings zu bieten, und das Finale "Code Red" könnte spektakulärer sein. Ansonsten ist "Demon Fire" aber der lässigste Boogie seit "Shake A Leg", "Wild Reputation" die Sorte Outlaw-R’n’B, der ein Provinzdorf zum Rotlichtviertel macht, und "Realize", "Witch’s Spell", "Through The Mists Of Time", "No Man’s Land", "Systems Down" und "Money Shot" haben endlich wieder mit Chören unterfütterte Refrains, die ganze Arenen zum Beben bringen können. Vermutlich das perfekte Good-Time-Rock’n’Roll-No-Brainer-Album in dieser tristen Zeit.

Leserbewertung: 5.0/12

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