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0 Autor: Florian Zandt

Statues - Holocene

Holocene

In den 90ern wurde das R im Indierock noch großgeschrieben. Diese Betonung retten Statues in die 2020er.

Wer es sich besonders leichtmachen möchte, wirft einfach die schon netterweise im Promoschreiben der Plattenfirma erwähnten Hüsker Dü und Sonic Youth als Referenzen für "Holocene" in den Ring und lässt es damit gut sein. Dabei steckt im dritten Album der Band aus der Hardcore-Hochburg Umeå viel mehr. Die Tendenz zur hypnotischen Dickköpfigkeit der Japandroids etwa, die einem im extrem verdichteten, dissonanten Indie-Stampfer "Black Smoke" entgegenschlägt, oder die Luftigkeit aus "Manifest Destiny", das an Beachheads erinnert. Wer so sympathisch wie Statues mit den eigenen Missgeschicken umgeht und ruinierte Takes wie in "The Salt" und "Ending The Holocene" einfach im finalen Mix lässt, beweist ein Gespür für das, was den 90er-Alternative-Untergrund ausgemacht hat: die "Aufdrehen und dann mal gucken"-Attitüde, die sich durch die leicht dumpfe Produktion, die ausgewalzten Bratgitarren mit leichter Schwedenrock-Kante und die Midtempo-Hymnen für alle zieht, die in den 90ern ihre musikalische Sozialisation erfahren haben und sich jetzt bereits etwas hüftsteif über die Tanzfläche schieben. Dieser Mix aus Indierock, Alternative, Noise und Punk funktioniert so gut, dass man der Band selbst die wirklich ziemlich dreiste Bob Mould-Kopie Shitstorm und die teilweise etwas schiefen Gesangslinien verzeiht. Wenn schon 90er, dann eben richtig – richtig mit großem R.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 12.0/12

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