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0 Autor: Ingo Scheel

James Dean Bradfield - Even In Exile

Even In Exile

Fast anderthalb Jahrzehnte nach "The Great Western" folgt das zweite Album des Manic-Street-Preachers-Frontmanns.

2006 hatte James Dean Bradfield sich lose mit dem Konzept der Zugreise beschäftigt, diesmal ist der thematische Bogen enger gespannt. Die elf Songs basieren auf einer Handvoll Gedichte des Poeten Patrick Jones, die sich wiederum mit dem chilenischen Sänger, Dichter und Aktivisten Victor Jara beschäftigen. Im September 1973 verhaftet, wurde Jara kurz darauf von Militär-Putschisten erschossen. Bradfield nun setzt Jara, einer der Lichtgestalten der Nueva Canción, dem politischen Folksong Lateinamerikas, ein emotionales Denkmal. "Recuerda" heißt es zum Auftakt, und im Bild der an die Tür klopfenden Männer mit den Waffen schimmert das ähnlich gelagerte "Guns Of Brixton" von The Clash. Diese Akustikgitarren-Reduktion im Geiste Leonard Cohens täuscht jedoch nur kurz eine Richtung an. Kaum eine Minute ist vergangen, da galoppiert der Song in vollem Ornat davon, durchweht von einer Prise Italowestern und einem ungleich dickeren Pfund der Marke Manic Street Preachers. Unter den vielen großartigen Songs stechen "Seeking The Room With The Three Windows", ein proggiger U2/The Who-Zwitter, der Hit "Without Knowing The End (Joan's Song)" und das tieftraurige "Under The Mimosa Tree" hervor. Was mit Blick auf Jaras Background nach schwerer Kost klingen mag, kontert Bradfield mit Cinemascope-Sound und bringt so beides unter einen Hut: politischen Anspruch und sphärischen Britrock.

Bewertung: 8/12

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