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0 Autor: Daniel Thomas

Sankt Otten - Lieder für geometrische Stunden

Lieder für geometrische Stunden

Wenn die Grenzen zwischen Synthesizern und E-Gitarren im elektronisch vermessenen Raum zur Unkenntlichkeit zerfließen, sind Oliver Klemm und Stephan Otten die Meisterarchitekten dahinter.

"Lieder für geometrische Stunden" heißt ihre neueste Reinzeichnung, dabei hatte das Osnabrücker Duo seit seiner Gründung 1999 immer wieder ein Faible für Alliterationen bei der Auswahl ihrer Albumtitel bewiesen. Von "Männerfreundschaften und Metaphysik" über "Zwischen Demut und Disko" zum Opus Magnum "Messias Maschine" nimmt die Symmetrie der Worte die kosmische Kombination aus Ambient, Krautrock und zeitgenössischer Elektronik vorweg. Mit ihrem elften Album, erneut voll von vollkommener, zeitlos schöner Instrumentalmusik, halten sich Sankt Otten immerhin mit dem Opener "Sentimentale Sequenzen" an dieses Prinzip. Das stellare Synthesizer-Präludium tarnt die schwebenden Ebow-Gitarren von Klemm so gut, dass sie nur selten als solche zu erkennen sind - ein Phänomen, das sich durch die gesamte Platte zieht. Expliziter veräußert sich Ottens minimalistisch-repetitives Schlagzeugspiel, das die fluiden, harmonisch-schwerelosen Klänge eloquent verbindet. Ein Paradebeispiel dafür ist das wunderbare, rhythmisch-schiefe "Du hast dem Schicksal die Show gestohlen": motorischer Beat, Kraut ohne Rock, Ambient ohne Esoterik-Schnickschnack. Kurz: eine Welt, in der die Fusion aus Mensch und Maschine nicht einer dystopischen Prophezeiung folgt, sondern vor allem auf Ästhetik setzt.

Bewertung: 9/12

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