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0 Autor: Christian Wiensgol

Owen - The Avalanche

The Avalanche
  • VÖ: 19.06.2020
  • Label: Big Scary Monsters/Membran
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 328

Von den ersten Takten an klingt das zehnte Album von Emo-Vorreiter Mike Kinsella wie ein alter Vertrauter, der eine schützende Decke über einen legt.

Damit steht der gewohnt warme Klang von Kinsellas Solo-Projekt Owen dem Albumtitel und dem Artwork gegenüber. Auch wenn die Lawine klanglich und von der Jahreszeit her nicht passt: Die aktuellen gesellschaftlichen Krisen beinhalten auch Vereinsamung und Hilflosigkeit gegenüber einer größeren Macht, wie eben einer Lawine. "The Avalanche" bietet für all das keine Lösungen. Im Gegenteil, Kinsella verarbeitet eine gescheiterte Ehe und spielt seinen fein instrumentierten Singer/Songwriter-Indiefolk fragiler und trauriger denn je. Aber das (Ex-)Mitglied so einflussreicher Bands wie Cap'n Jazz und American Football klingt nicht wie jemand, den man bemitleiden muss, sondern wie jemand, der versteht. Und er klingt im besten Sinne nach sich selbst. So wirkt "The Avalanche" schon nach kurzer Zeit vertraut, droht aber nie zu langweilen, weil Kinsella wie wenige andere seiner Zunft eine vielschichtige Struktur schaffen kann. Damit ist Owen so nah an American Football wie noch nie. Auch, weil Kinsella die Idee vom aktuellen dritten American-Football-Album aus dem vergangenen Jahr aufnimmt und vermehrt auf Frauenstimmen setzt. Bei LP3 waren es gleich drei Gastsängerinnen, auf "The Avalanche" ist es KC Dalager von Now, Now, die mehrmals zu hören ist – unter anderem im zentralen Stück, dem ganz großen Gefühlskino "Mom And Dead".

Bewertung: 8/12

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