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0 Autor: Juliane Kehr

Shaman Elephant - Wide Awake But Still Asleep

Wide Awake But Still Asleep
  • VÖ: 29.05.2020
  • Label: Plastic Head/Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 327 - Schönheit der Ausgabe

Shaman Elephant haben sich an die Weiterentwicklung ihres Debüts gewagt: Das teils noch ziellose Mäandern von "Crystals" wird durch kräftige Rock-Gesten eingefangen, Psych-Rock-Wahnsinn schwitzen die Norweger allerdings nach wie vor aus jeder Pore.

Doch von vorn: Der Titeltrack räkelt sich zunächst ganz genüsslich in hallenden Gitarren und mantra-artigen Bassläufen, klettert über mehrere Tonarten, beschwört weitere Gitarren im Hintergrund und lässt ganz vergessen, dass diese Band ja auch noch einen Sänger hat. Nach vier Minuten tobt der instrumentale Wahnsinn in seiner ganzen Schönheit und unterwirft sich anschließend wabernd, zeitweise synkopisch zuckend dem einsetzenden Gesang. Das folgende "H.M.S. Death, Rattle And Roll" ist dagegen sofort bei der Sache: Vollmundige Akkorde und psychedelisch abgespulte Melodien à la Motorpsycho wechseln sich mit entschleunigten Passagen ab, die aber nicht ein Stück an Biss verlieren. "Steely Dan" verneigt sich derweil, assistiert von zarten Synthies, vor der Gitarrenarbeit der gleichnamigen Band, die Shaman Elephant zu ihren Vorbildern zählen. Die Ballade "Ease Of Mind" webt Blues so locker flockig ein, dass man fast Angst bekommt, durch die Maschen ins Nichts zu gleiten, wenn man sich zu arglos hineinfallen lässt, und steht damit dem folgenden "Magnets" gegenüber, dass sich mit weniger Kapriolen in hymnische Hardrock-Momente vertieft. Dabei schälen sich aufheulende Gitarren im Hintergrund kurz aus dem langfransigen Klangteppich, bevor sie wieder wegdämmern, um sich wenige Takte später doch lieber auf ihre psychedelisch entrückte Hauptaufgabe zu konzentrieren. Das progressive Ausstellungsstück "Traveller" lebt zunächst von einer aufreibenden, durch Taktwechsel hervorgerufenen Dynamik, deftigen Gitarren und erhebendem Gesang. Doch schon die zweite Etappe der Reise wird flächiger und der Horizont flirrend sichtbar, während sich Gitarren und Schlagzeug zu einem fesselnden Groove aufschwingen, der mühelos wieder in den träumerisch psychedelischen Urzustand zurückzufinden scheint und schließlich eine Symbiose eingeht mit den Hardrock-Riffs vom Beginn. Im abschließenden "Strange Illusions" ist es erneut der Gesang, der in seiner hymnischen, kraftvollen und im Vergleich zum Debüt weniger wildwüchsigen Art überzeugt. Verbunden mit den immer wieder kurz aufflackernden Spacerock-Elementen ist das vielleicht schon der Anlauf zum nächsten großen Satz in den psychedelisch bunten Sieben-Meilen-Stiefeln, in denen Shaman Elephant den Sprung von ihrer ersten Platte zur zweiten gemeistert haben.

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