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0 Autor: Christian Wiensgol

Fake Names - Fake Names

Fake Names
  • VÖ: 08.05.2020
  • Label: Epitaph/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 326 - Schönheit der Ausgabe

Schon wieder zaubert Dennis Lyxzén eine tolle 80er-Punkband aus dem Ärmel, könnte man meinen.

Dabei basieren Fake Names auf der Freundschaft zweier Legenden der US-Westküste. Brian Baker und Michael Hampton heißen die beiden, spielten oder spielen Gitarre bei Bands wie Bad Religion, Dag Nasty und Minor Threat (Baker) sowie S.O.A., Embrace und One Last Wish (Hampton) und kennen sich seit der ersten Klasse. Anfang 2016 spielen sie ohne Hintergedanken ein bisschen Gitarre zusammen, haben unverhofft innerhalb eines Tages eine Handvoll Songs fertig und holen mit Johnny Temple von Girls Against Boys einen weiteren 80er-Helden und Grundschulfreund an den Bass. Im September 2016 spielen Bad Religion und Girls Against Boys gemeinsam auf dem Riot Fest in Chicago, wo Baker und Temple den Sänger für ihr kleines Projekt finden, als Refused auf der Bühne stehen. Dennis Lyxzén muss als großer Fan von Minor Threat und Embrace nicht lange überlegen. In den folgenden Jahren schicken die Musiker Songs zwischen den US-Küsten und Schweden hin und her oder treffen sich zum Proben und Schreiben, wenn Lyxzén mit Refused in den USA ist. Schließlich entsteht ein Demo, mit dem das Fake Names getaufte Projekt bei Labels vorstellig werden will. Als erstes darf Bakers Bad-Religion-Bandkollege Brett Gurewitz reinhören. Er nimmt die Band nicht nur für sein Label Epitaph unter Vertrag, sondern versichert ihr auch, dass das Demo bereits das fertige Album ist. Ende 2018 sprach Baker mit VISIONS erstmals über das Projekt und gab damals noch Pop und Wave als musikalische Richtung an. Letztlich ist Fake Names ein lupenreines und hitlastiges Punkrock- und Power-Pop-Album mit leichtem Classic-Rock-Einschlag geworden, das im Sinne der ersten musikalischen Schritte seiner Protagonisten auf jegliche Effekthascherei verzichtet. Um es reduziert zu halten, haben die beiden Gitarristen eine einfache Maxime ausgerufen: keine Effektpedale. So klingen Songs wie "Heavy Feather" und "Weight" wie Stücke, die auch die Hellacopters geschrieben haben könnten, auf denen sie aber sich duellierende Gitarrenschichten draufgepackt hätten. Fake Names hingegen halten es simpel und nostalgisch, was zwangsläufig auch mal nach Dag Nasty klingt wie im melodisch melancholischen "Darkest Days" oder nach Bad Religion wie im abschließenden Galopp von "Lost Cause". Dass es nicht zu angestaubt wird, verhindert nicht zuletzt Lyxzén, der zwar gewohnt scharfzüngig gegen das kapitalistische System wettert, dabei aber so frisch klingt, als hätte er sich das rote Buch, in dem er im wütenden Mini-Hit "Brick" die Feinde der Revolution festhält, gerade erst zugelegt.

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