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0 Autor: Juliane Kehr

Paul Weller - On Sunset

On Sunset

Mitten in der dunklen (Post-)Corona-Landschaft hat Paul Weller einen leuchtenden Soul-Jahrmarkt errichtet. Um sich davon mitreißen zu lassen, reicht schon ein kurzer Besuch.

Eine der Hauptattraktionen auf dem 15. Album des The-Jam-Frontmanns ist der eklektische Opener "Mirror Ball", der sich in beinahe acht Minuten vom Synthie-Brett zur Popperle entwickelt, kurz in einen experimentellen Zwischenteil abschweift, der auch einem Heiner-Müller-Hörspiel entstammen könnte, und dann, als hätte nicht gerade wilde Electronica gewütet, zu Orgel-gesprenkeltem Funk zurückkehrt. Wo der Vorgänger "True Meanings" eher durch introvertierte Folk-Songs glänzte, führt Weller die Selbstreflexion auf "On Sunset" mithilfe großer Arrangements und erneut mit Produzentin und Score-Komponistin (unter anderem Game Of Thrones) Hannah Peel fort. So frönt Weller in "Baptiste" dem Gospel, gibt in "Old Father Tyme" den Soulman oder erinnert sich in "Sunset" mit zurückgelehnten Bässen und Surf-Gitarren an die ersten L.A.-Besuche mit The Jam. Das um zwischenmenschliche Zwietracht kreisende "Equanimity" fällt durch eine kabarettistische Note auf, die Weller nach eigener Aussage mit dem Geist der Bonzo Dog Doo-Dah Band würzt. "Earth Beat" outet den Multiinstrumentalisten mit seinen vibrierenden Electrobeats einmal mehr als musikalisch ewig Junggebliebenen und in der abschließenden, etwas dick aufgetragenen Bowie-Hommage "Rockets" könnte Weller zwischen kehligen Posaunen und verspielten Geigen kaum zufriedener klingen.

Bewertung: 9/12

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