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0 Autor: Florian Schneider / Jan Schwarzkamp

Friends Of Gas - Kein Wetter

Kein Wetter

Vier-Ohren-Test

Friends Of Gas sind Deutschlands unbarmherzigste Noiserock-Band. Einige überfordert ihre Lebensmüdigkeit. "Du bist erst beim ersten Kapitel und denkst schon ans Kapitulieren", singen Friends Of Gas in "Schrumpfen". Kollege Schwarzkamp hat schon früher aufgegeben. Zwei Punkte zu vergeben, weil man die Stimme der Sängerin nicht mag? Das ist mindestens oberflächlich. Texte wie "Unsere Liebe ist nur ein in Hollywood gezüchtetes Monster" aus "Stechpalmenwald" als Kunststudentenzeilen zu desavouieren, spricht auch nicht für eine intensive Auseinandersetzung. Ganz zu schweigen davon, dass Friends Of Gas mit ihrem zweiten Album musikalisch einen großen Schritt machen. Klar, das ist nach wie vor roh und sperrig, aber eben auch ganz oft von einer eigentümlichen Zärtlichkeit, etwa in "Im Bad". Die stellt sich immer dann ein, wenn Sängerin Nina Walsers Stimme gerade nicht kippt, sondern sich erst langsam in diesen Zustand der Überspanntheit reinarbeitet, der dem Kollegen derart den Nerv raubt. Bei Friends Of Gas gehen Musik und Text jedenfalls Hand in Hand, Reduktion ist Trumpf auf allen Ebenen. Deshalb werden die Texte solange rundgeschliffen, zusammengestrichen und eingedampft, bis sie einem so nahe kommen, wie einem derzeit nur die Allernächsten kommen dürfen: "Kein Wetter" hält keinen Mindestabstand. 10/12 Florian Schneider

Schmerzhafter Noiserock, dessen Gesangsbeitrag einen komplett und unerbittlich in die Knie zwingen kann. Friends Of Gas werden sich schon etwas dabei gedacht haben, warum sie genau so klingen, wie sie klingen. Und sie klingen ja auch so, wie man als Noiserock-Band halt klingt, gerade, wenn man die heimischen Aushängeschilder wie Die Nerven oder Heads im Hinterkopf hat. Düstere, sehnige Songs, mal ein post-punkiges Arrangement in "Blaiberg", gleich noch eckiger in "Graue Luft". Schon das ist keine leichte Kost, will es auch gar nicht sein. Seit wann ist Noiserock schon gefallsüchtig? Ist ja kein Pop hier, eher das Gegenteil. Aber eigentlich ist das auch alles egal, denn es gibt ja noch Sängerin Nina Walser. Sie ist das Element, an dem sich die Geister scheiden. Da wird sich auch niemand Illusionen machen – weder Produzent Olaf Opal, noch die Band, noch sonstwer. Die wollen das so. Für diese erbitterte Konsequenz sei an dieser Stelle eine Gratulation und auch Respekt ausgesprochen. Mich macht das elendig heisere Geröchel von abstrakten Wortgebilden komplett mürbe. Die in ihrer monotonen Art und mit penetrierender Repetition rausgestöhnten Kunststudentenzeilen rauben mir den letzten Nerv. Selten musste ich so kämpfen, eine Platte bis zum Ende durchzustehen. 2/12 Jan Schwarzkamp

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