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0 Autor: Florian Zandt

Cold Years - Paradise

Paradise

Musik für die Rock-Charts, Texte für die Millenial-Krise: Auf ihrem Debütalbum schütteln die Schotten Gaslight-Anthem-Vergleiche erfolgreich ab.

Das liegt nicht zwingend an einer neuen musikalischen Ausrichtung im Vergleich zu den EPs von 2016 und 2018. Der Jersey-Twang, die Sehnsucht nach einem anderen Leben, der Punk-Drive hinter Pop-Arrangements - all das findet sich auch auf "Paradise". Dafür strotzt die Band nur so vor Energie, die ihren US-Vorbildern zuletzt deutlich abging. Da ist es auch zu verschmerzen, dass der Opener "31" erst ab der Hälfte an Fahrt aufnimmt. Denn spätestens ab "Life Like This" komprimieren Cold Years Springsteen-Gitarren, Woah-Oh-Chöre und den raspeligen Gesang von Frontmann Ross Gordon zu einem kleinen Rohdiamanten und glasieren das Ergebnis mit einer poppigen Produktion, die erstaunlicherweise das Schlagzeug zum zweiten Protagonisten macht. Punk ist das definitiv nicht, aber das ist okay. Genau wie die Tatsache, dass die Platte Temposchwankungen außen vor lässt und mit Überraschungen geizt. Letztere würden sowieso nicht zum Gesamteindruck passen, wie man hervorragend am merkwürdigen Synthie-Geglitzer in "Northern Blue" und den ziellos untergerührten Bläsern von "Too Far Gone" merkt. Die stärksten Momente von "Paradise" bleiben Mitstampfhymnen wie "Hold On" oder "62", in denen Gordon seine abgehängte Generation besingt und zum Weitermachen auffordert. Das Paradies ist schließlich das, was man selbst daraus macht.

Bewertung: 8/12

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