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0 Autor: Florian Schneider / Jan Schwarzkamp

Tame Impala - The Slow Rush

The Slow Rush

Vier-Ohren-Test

Erstmals fehlt einem Kevin-Parker-Album ein eindeutiger Hit, dafür hat er Disco für sich entdeckt. Die Entwicklung, die Tame Impala genommen haben, ist nicht überraschend. Der Rockanteil reduzierte sich von Album zu Album, auf "The Slow Rush" ist er nur noch ein Spurenelement. Dabei entsprach Kevin Parkers Ein-Mann-Produktionsweise von jeher eher der Musik, die er jetzt macht. Was geblieben ist, ist die psychedelische Atmosphäre und die stimmliche Nähe zu John Lennon. Neu hinzugekommen ist eine Lässigkeit, die "Currents" noch fehlte. "Breathe Deeper" etwa rollt geradezu unverschämt locker, und wenn Parker den Song mit einem Balearic-Disco-Piano unterlegt, klingt das für den einen nach Soundtapete, den anderen erinnert es an die hymnischen Longtracks von Hans-Peter Lindstrøm. Und dann haben wir noch nicht über die schmatzende Bassline geredet, die zum Ende des Songs übernimmt. Rock ist das nicht, aber deshalb nicht gleich belanglos. Es funktioniert eben nach anderen Maßstäben, und zu denen passt der konstante Fluss des Albums, der die Grenzen zwischen etwa "On Track", "Lost In Yesterday" und "Is It True" verschwimmen lässt – einen Effekt, den Parker sicher bewusst erzielen wollte und "The Slow Rush" zu seinem bislang konsistentesten Album macht. 9/12 Florian Schneider

Kevin Parker musiziert sich in die Belanglosigkeit. Er ist in der Ibiza-Chill-out-Lounge angekommen. "Currents" war schon eine herbe Enttäuschung. 51 Minuten musikalische Tapete, bei der höchstens der Opener "Let It Happen" halbwegs hängenblieb. Diesen streitbaren Weg setzt Multiinstrumentalist Parker mit "The Slow Rush" unbeirrt fort. Die Spotify-Plays geben ihm Recht, die hip kids of Instagram sowieso. Und überhaupt: Jede Modeboutique braucht ihren chilligen Soundtrack, der nicht herausfordert und schön im Hintergrund verhallt. Funktionsmusik für die Momente, in denen man gar nicht funktionieren muss. Parker fügt die Bausteine dafür mit dem Laptop zusammen. Ein paar HipHop-Beats mit 90s-Flair, etwas Minimal House, Synthesizer- Teppiche, auch mal sachte Rave-Keyboards und seine emotionslose Kopfstimme. Erschreckend, wie kalt das alles lässt, wie wenige Hooks das hat. Die zwölf Songs rauschen so passiv durch, dass man sich entweder wundert, wie sehr sich die 57 Minuten ziehen – oder wie schnell sie vergehen. Je nachdem, wie viel Aufmerksamkeit man ihnen schenkt. Manchmal haben sie die sogar verdient. Wenn "Is It True" mit ESG-mäßigem 80s-Funk kokettiert oder das abschließende "One More Time" nach sachtem Intro mit orchestralem Wumms aufweckt. 5/12 Jan Schwarzkamp

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