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0 Autor: Gerrit Köppl

Sløtface - Sorry For The Late Reply

Sorry For The Late Reply
  • VÖ: 31.01.2020
  • Label: Propeller/Rough Trade

Ihr unverschämt eingängiger Glitter-Punkrock mit Message hat Sløtface schon das Grammy-Äquivalent ihres Heimatlandes beschert. Zu Recht, wie auch das zweite Album zeigt.

Unter "ähnliche Künstler" bei Streamingdiensten finden sich fast ausschließlich junge australische Bands, die wir im Heft gerne feiern – allerdings kommen Sløtface aus Norwegen. Anfangs heißen sie Slutface, bleiben damit aber in sämtlichen Social-Media-Filtern hängen. Auf dem 2017 erschienenen Debüt präsentieren Sängerin Haley Shea und ihre drei Mitmusiker leidenschaftlich getriebenen und verspielten Pop-Punk, bei dem auch Garage und Power Pop mitschwingt und der mit unglaublich eingängigen Melodien überzeugt – die Songs "Galaxies" und "Nancy Drew" mit seinem Death From Above-Bass haben Hitcharakter. Dabei hat die feministische Band abseits einiger persönlicher Texte grundsätzlich einen sozialkritischen Anspruch. Beides zu verbinden, gelingt ihnen auf der ausgereifteren zweiten Platte noch besser: "I am more than my passport but it's a part of me", singt die gebürtige US-Amerikanerin Shea im fröhlich funkelnden "Passport". Im stampfenden Opener "S.U.C.C.E.S.S." kritisiert sie die Idealisierung einer Leistungsgesellschaft auch mit Blick auf ihre "fremde" Herkunft: "You better represent/ Be the best damn immigrant". Immer schwingt zum catchy Pop-Punk die sympathische Erkenntnis mit, dass man nicht frei von den Fehlern ist, die man besingt – auch im besten Teil von "Sorry For The Late Reply", der zu dem Schluss kommt: Mit dem gleichnamigen Intro leiten Sløtface zum Klimawandel-Song "Sink Or Swim" über, in dem Shea der eigenen Ohnmacht, Mitschuld und Angst vor der Zukunft Ausdruck verleiht. "It's too warm for October", wiederholt sie verängstigt Gedanken, die man auch in diesem Januar hat, und bringt den komplizierten Weltschmerz dieser Tage in wenigen Zeilen auf den Punkt: "I agonize/ But I don't agonize enough/ Keep seeing my grandchildren die/ But I can't seem to turn the lights off as I leave the room". "It's not politics, it's sink or swim": Sløtface lassen auf kritische Worte auch Taten folgen. Die Band beteiligte sich in ihrer Heimat an Aktionen zum Weltfrauentag und spielte für das Musikvideo zu ihrem Song "Sponge State" (von der gleichnamigen 2016er EP) illegal auf einem Berg in Førde, wo sich zeitgleich eine Aktivistengruppe an Maschinen eines großen Bergbaukonzerns kettete, der Abfälle in den Fjord kippt. Wem dazu der Antrieb fehlt, dem machen Sløtface übrigens mit dem clever betitelten "Telepathetic" Feuer unterm Hintern: "Thinking if you think hard you'll make it happen" ist falsch. Aber so denkt eben jeder mal.

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