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0 Autor: Matthias Möde

Hypno5e - A Distant (Dark) Source

A Distant (Dark) Source
  • VÖ: 22.11.2019
  • Label: Pelagic/Cargo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 321 - Schönheit der Ausgabe

Hypno5e machen auf ihrem fünften Album wieder das, was sie für gewöhnlich tun und am besten können: episch-wuchtigen Post-Metal spielen. Sie knüpfen damit ans Album "Shores Of The Abstract Line" (2016) an und unterstreichen, dass "Alba – Les Ombres Errantes" nur ein Ausflug war.

Die französische Band hatte auf dem Album im vergangenen Jahr den gleichnamigen Independent-Film von Sänger und Gitarrist Emmanuel Jessua mit Western-Klängen und Grusel-Ambient vertont. Nun kehren sie zu alten Tugenden zurück und eröffnen "A Distant (Dark) Source" – als wollten sie sich das selbst beweisen – mit dem längsten Song des Albums: Das über zwölfminütige "On The Dry Lake" unterbricht ein zu Ambient-Sounds ernst geführtes Gespräch mit einem Sturm aus Doublebass, Riffs und Geschrei. Der Song pendelt in der Folge zwischen Laut und Leise, um erst vertrackt und letztlich melodiös zu enden. Kurzum: Im Opener steckt alles, was Hypno5es Post-Metal ausmacht. Wem das nicht komplex genug ist, den bringt das Quartett vielleicht mit seinem Konzept aus dem Takt: "A Distant (Dark) Source" ist der zuerst erscheinende, zweite Teil eines Doppelalbums, das aus dem genannten Opener, dem finalen "Tauca – Part II (Nowhere)" und aus drei jeweils dreiteiligen Songs besteht, deren erster Teil jeweils ein ruhiges, vergleichsweise kurzes Intro darstellt. In über 70 Minuten soll das Album eine Reise zu Geistern der Vergangenheit vertonen, die ihren Ursprung am Fluss Tauca in Bolivien haben, in dessen Nähe Jessua aufwuchs. Wissen muss man das und weitere Details des Konzepts nicht, um tief in "A Distant (Dark) Source" einzutauchen zu können und sich etwa vom etwas kitschigen, mit Gesang versehenen und mit Streichern untermalten Prog-Intro "In The Blue Glow Of Dawn – Part I" in die brutale Dynamik des zweiten Teils spülen zu lassen, der besonders im letzten Drittel seiner rund sieben Minuten mit vertrackten Breaks und geisterhaftem Hintergrundgesang keine Gnade kennt. Oder sich vom einsam hallenden Klavier am Ende des dritten Titelsong-Teils in die kalte Nacht entführen zu lassen, um den oft mit Audioschnipseln verbundenen Ambient-Parts zu lauschen oder in der Finsternis wütenden Post-Metal entgegengeschrien zu bekommen. Seine mitreißende Wucht entwickelt er von allein, seine Wirkung verstärkt sich aber, weil die ihm gegenüberstehenden, leisen Klänge ein Kontrastprogramm darstellen. In den letzten Albumminuten wird es noch mal besonders tragisch, wenn Jessua erbittert zu kaum hörbaren Tönen schreit, bevor der Vorhang von einem leisen Klavier und einem rauschenden Radio zugezogen wird. Anfang folgt.

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