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0 Autor: Christian Wiensgol

Jimmy Eat World - Surviving

Surviving

Mit ihrem zehnten Album halten Jimmy Eat World weiter den Kurs der vergangenen 15 Jahre.

"Surviving" enttäuscht zunächst, um sich dann doch in Hirn und Herz festzusetzen. Vielleicht war der Vorbote "All The Way (Stay)" zu viel des Guten: Emo-Power-Pop wie aus Weezers besten Zeiten und ein Ohrwurm-Refrain, der wie die Fortsetzung des "Futures"-Hits "Work" klingt. Abgesehen vom Saxofonsolo klingt hier alles so, als wollten und könnten Jimmy Eat World zurück zu alter Form finden. Der Rest von "Surviving" kann da zunächst nicht mithalten. Hängen bleibt erstmal nur das nervigschwülstige 555, ein Synthie-Pop-Song, der Tegan And Sara oder Chvrches besser stehen würde. Aber es gibt sie auch 2019, die Songperlen, die Jimmy Eat World ausmachen – zwar weniger offensichtlich und nicht mehr auf der gesamten Albumlänge, aber zahlreich genug, um einen Totalausfall in der Albummitte wegstecken zu können. "Criminal Energy" ist ein breitbeiniger Alternative-Rock-Song, der statt im Klischee in einem typischen JEW-Refrain landet. Auch die Halbballade "Delivery" folgt einem bekannten, aber wirkungsvollen Muster, indem sie im "Clarity"-Groove den Arm um alle legt, die ihre Emo-Sozialisation noch nicht abgeschüttelt haben. Apropos Clarity: Jim Adkins erwähnt das übergroße Frühwerk seiner Band nicht zufällig im wohl wichtigsten Song von "Surviving": So persönlich die neuen Stücke auch sein mögen, im abschließenden und überlangen Congratulations wird er so politisch wie lange nicht mehr. "There's no clarity/ Infinity/ Only degrees of hate", geht sein ungewohnt hymnischer Abgesang auf die heutige US-Gesellschaft los, bevor die Band sich in einem fast rein instrumentalen Finale den Frust von der Seele spielt.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 9.0/12

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