Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Frederik Tebbe

Raised Fist - Anthems

Anthems
  • VÖ: 15.11.2019
  • Label: Epitaph/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 321 - Schönheit der Ausgabe

Raised-Fist-Sänger Alexander Hagman hat sich für Anthems eines vorgenommen: Seinem Titel getreu sollen die zehn neuen Songs zehn große Hooks beinhalten. Nun – versprochen ist versprochen.

Und Versprechen bricht man auch in Schweden nicht. Raised Fist haben ihren Düsterhardcore kräftig durchgelüftet. Das hat sie ins Stadion geführt. Und dort, zwischen klanggewordenen Flutlichtern, Nebelschwaden und Flammenwerfern sieht die Band aus Luleå ziemlich gut aus. Der Sound ist breiter, heftiger, wuchtiger. Und Raised Fist haben auf ihrem siebten Album – sorry, abgegriffene Vokabel – einen unwiderstehlichen Groove gefunden. Der starke Opener "Venomous" bebt und brettert wie ein Refused-Song durch die Boxen. Der Bass flirrt. Ein Song, den man laut aufgedreht am besten mit dem ganzen Körper wahrnimmt. Und Hagman zeigt mit dem immer wieder gerufenen Songtitel und einer tiefen, hypnotischen Gesangslinie erstmals, dass er es mit den Hooks offensichtlich ernstmeint. Es macht Spaß, "Anthems" darauf abzuklopfen, denn sie zeigen sich in allen Facetten: Vom rausgebrüllten Wort zur cleanen Hook bis zum Hardcore-Refrain nehmen Raised Fist alles mit, was live irgendwie dazu führen könnte, ihren Bandnamen wörtlich zu nehmen und in die Tat umzusetzen. Das klappt mal mehr, mal weniger gut, stellenweise wirkt es sogar etwas ulkig: Wenn die Band in "Murder" singt „We are Raised Fist/ This is how it is“, ist das nicht nur ein ziemlich stupider Haus-Maus-Reim, es klingt auch nach einer jungen Hardcore-Band bei ihrem zweiten Konzert im örtlichen Jugendzentrum. Geschenkt, denn im gleichen Song liefert Hagman eine catchy Gesangslinie, die alles wieder gutmacht. Hagman ist es auch, der sich auf "Anthems" überraschend vielseitig zeigt. Ob bitterböse-angepisster Schrei, Klargesang, Spoken Word oder gar eine geflüsterte Passage: Der Sänger peitscht sich facettenreich durch alle erdenklichen Tonlagen. Die melancholisch-metallische Gitarrenarbeit von Daniel Holmgren und Jimmy Tikkanen baut der Platte zudem mit einem mitreißenden Mix aus Wut und Angst ein starkes Fundament. In Kombination führt das zu Album-Highlights wie dem beschwingten "Into This World" oder dem zackigen "Polarized". Nach einer guten halben Stunde und dem abschließenden, melodischen "Unsinkable II" ist klar: Mit "Anthems" haben Raised Fist ihre wohl kurzweiligste Platte geschrieben und sich nach 26 Jahren erfolgreich rekalibriert. Jetzt müssen die Schweden bloß aufpassen, es nicht zu gut zu meinen und künftig nicht zu weit in Richtung Stadionkitsch abzudriften. Denn gerade halten sich Post-Hardcore und breitbeinige Pose optimal die Waage.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.