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0 Autor: Daniel Thomas

Cigarettes After Sex - Cry

Cry
  • VÖ: 25.10.2019
  • Label: Partisan/Pias/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 321

Greg Gonzalez bleibt ein unverbesserlicher Romantiker. Das zweite Album seiner Band spielt erneut mit sexualisiertem Ambient-Pop für Umschlungene oder die, die es gerne wären.

In einer Finca auf Mallorca nimmt "Cry" seinen Anfang, in der Woche, als Cigarettes After Sex mit ihrem selbstbetitelten Debüt rauschartig Schlafzimmer fluten. In den balearischen Sonnenuntergängen findet Gonzales die Stimmung für eine Fortsetzung seines Dreampop-Minimalismus und zu noch expliziteren Mediationen über Sex und Sehnsucht. Sätze wie "Could you love me instead/ Of all the boyfriends you got/ Know I make you forget/ About all of those rich fuckboys" sind so schlicht wie eindeutig. Wundersam ist höchstens die nach wie vor androgyne Stimme, der sie entspringen. Kaum überraschend ist, dass sich an der musikalischen Rezeptur im Vergleich zum Vorgänger so gut wie nichts ändert. "Heavenly" münzt eine simple Melodie auf einen flächigen Synthesizer-Sound. Das reicht bereits für den halben Weg zu schwelgerischer Nostalgie, die sich durch einen Kanal der Gefühlsduselei bahnt. Der Bass spielt genügsam die Grundtöne, das Schlagzeug wird nur angetupft und die Gitarre hallt harmonisch darüber. Erschreckend einfach ist das – die Wirkung trotzdem unumstößlich. Dass es nie banal wird, ist das eigentlicht Beachtliche daran. Denn letztlich ist die Platte nicht in ihrer Entstehung, sondern vor allem in ihrer Rezeption ein Herz-über-Verstand-Phänomen, das eine gewisse Machtlosigkeit wider besseren Wissens birgt.

Bewertung: 8/12

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