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0 Autor: Nina Töllner

Big Thief - Two Hands

Two Hands

Auf ihrer zweiten Veröffentlichung binnen fünf Monaten hauchen Big Thief ihrem Indie-Folk wieder mehr Lärm ein.

In die Wüste verschlug es Big Thief diesmal für die Aufnahmen zu "Two Hands". Während der im Mai erschienene Vorgänger "U.F.O.F." im feuchten Nordwesten der USA entstand, produzierte das New Yorker Quartett dessen sogenanntes „Zwillingsalbum“ nur wenig später im trocken-heißen Texas, nahe der mexikanischen Grenze. Mit dem Orts- und Klimawechsel kam auch ein anderer Sound, ein neuer Fokus. Wurde der akustische Slowcore auf "U.F.O.F." nur vereinzelt von Noise-Eruptionen durchbrochen und von Frontfrau Adrianne Lenker mit traumartigen Natur- und Himmelssequenzen ausgeschmückt, gibt sich der – fast komplett live eingespielte – Nachfolger textlich wie musikalisch direkter und markiger. Sachte schunkelnde Schlaflieder wie "Rock And Sing" und "The Toy" wechseln sich mit dem Slacker-Rock von "Forgotten Eyes" und dem nervösen Jangle-Pop des Titeltracks ab. Der an die frühe Laura Marling erinnernden Folkballade "Wolf" und dem Americana-Schwof "Replaced" wiederum geht die intensive Litanei "Not" voraus, die in der zweiten Hälfte die E-Gitarre von der Leine lässt und scheppernde Garagen-Atmosphäre verbreitet – auch die sonst eher zurückhaltende Lenker singt sich hier in Rage. Nötig hat sie es nicht: Das verletzliche Timbre der 28-Jährigen verströmt selbst im gedämpften Modus Charisma und schmerzhafte Dringlichkeit, während es Bilder von Zärtlichkeit und Gewalt, gesellschaftlichem Zerfall und der Zerstörung des Planeten zeichnet. Doch die Leise-Laut-Dynamik tut dem Album gut: War "U.F.O.F." bedrückend, ist "Two Hands" berückend und gleich mal einen Zacken spannender.

Bewertung: 8/12

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