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0 Autor: Christian Wiensgol

Microwave - Death Is A Warm Blanket

Death Is A Warm Blanket
  • VÖ: 13.09.2019
  • Label: Pure Noise/Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 319

Hier kommt die nächste junge Emorock-Band, sie sich mithilfe der 90er freispielt. Das tolle an Microwave ist, wie ungestüm und ungefiltert sie dabei vorgehen.

Mit "Carry" gibt es kurz vor Schluss ihres dritten Albums genau einen Song, der melodieverliebt an den starken Vorgänger erinnert. Man braucht nur die Titel und Covermotive zu vergleichen, um eine Band im Wandel zu identifizieren. Auf "Much Love" sind vier nerdig dreinschauende Typen Ende 20 zu sehen, die an Spaß-Punk und die Beatles erinnern. Drei Jahre später sieht Death Is A Warm Blanket so verstörend aus wie etwas von Nine Inch Nails und klingt in "Hate TKO" sogar fast so. Ansonsten begegnen einem in 30 aufwühlenden Minuten immer wieder Nirvana und andere Bands der Alternative Nation, die ihren Frust nicht verklausulierten, sondern rausschreien mussten. Bei Nathan Hardy sind es körperliche und psychische Probleme, die das Tourleben mitsamt seinen Verlockungen hinterlassen hat – und die durch eine fehlende Krankenversicherung nicht kleiner wurden. Schon im Opener geht es um Alkoholsucht und soziale Isolation – erst zu zaghafter Akustikgitarre, dann mit fast schon alberner Gitarrenmelodie und schließlich mit Gift und Galle. „I don’t know if we’ll ever be sober again/ I have a pile of regrets/ I tear it down/ Build it up/ Tear it down“, schreit Hardy, als hätte es Screamo nie gegeben. In "The Brakeman Has Resigned" klingt sein markerschütterndes Gebrüll gar nach Cave Ins Caleb Scofield. Gepaart mit den ruhigen, zerbrechlichen Zwischentönen, der nichts beschönigenden Produktion und den dunklen Texten entsteht eine unmittelbare, bedrückende Dringlichkeit, die zwangsläufig an Brand New erinnert.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 11.0/12

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