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0 Autor: Martin Burger

65daysofstatic - Replicr, 2019

Replicr, 2019

Man kann fragen, ob dieses Album hier stattfände, wenn es nicht von 65daysofstatic wäre. Man kann es aber auch sein lassen und eine spannende Electronica-Platte genießen.

65daysofstatic waren bereits auf ihrem Debüt "The Fall Of Math" die etwas andere Band. Nie ließen sie sich auf einen Stil ein, probierten Post- und Math-Rock, Ambient und Drum'n'Bass aus, schrieben Scores, alternative wie tatsächliche. Von deren Sounddesign-Perspektive aus sollte man sich auch "Replicr, 2019" annähern, dem ersten regulären Album seit sechs Jahren, der ersten Veröffentlichung seit der Untermalung des kontroversen Videospiels "No Man's Sky". Danach, so heißt es, habe man gerätselt, was genau eine Band sein soll und ob man die personellen und sozialen Anforderungen daran überhaupt noch erfülle. In Sheffield und Berlin gaben sich die Mitglieder ihrer "Decomposition Theory" hin, die Algorithmen ins Songschreiben einbezieht, konstruierten Synthesizer-Unikate und programmierten sie live, wirkten so der Musik entgegen, die sich in den Apparaturen selbst generierte. Ein „Dialog zwischen Mensch und Maschine“ sollte es sein, und das glaubt man auch. Die Stücke tragen Titel wie die des vorletzten Bon-Iver-Albums "22, A Million", sie klingen abermals nach Soundtrack, diesmal zu einer menschenleeren Zukunftsfantasie am Rand von Robotopia, mit Blick auf die Steppe. Wo Glockenspiel, körperlose Chöre und organische Beats neben synthetischen wirken, wohnt eine kaum greifbare Wärme. Damit nicht genug: Auf Bandcamp bieten 65daysofstatic das Abo-Modell "A Year Of Wreckage" an, bei dem man ein Jahr lang jeden Monat eine digitale EP mit Outtakes erhält. Insgesamt mehr Musik, als auf zehn Alben passt.

Bewertung: 9/12

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