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0 Autor: Juliane Kehr

Ezra Furman - Twelve Nudes

Twelve Nudes

Ezra Furman kreischt sich die nackte Wut von der Seele. Auf dramatische, hysterische und schräge Weise lindert er das Gefühl der Hilflosigkeit nicht länger durch Indierock, sondern neuerdings durch Punk.

Auf dem Vorgänger "Transangelic Exodus" floh der Singer/Songwriter thematisch noch mit einem geliebten Engel vor einer fiktiven Regierung, die keine Engel duldet. Ein Jahr später setzt er auf ungeschönte Konfrontation. Songs wie "Calm Down Aka I Should Not Be Alone" oder "Rated R Crusaders" verlangen dem Hörer einiges ab, sie sind Furmans Interpretation von Punk und klingen tatsächlich wie eine schrille Version der Ramones. Überraschend ist dabei die unmittelbare, schluderige Umsetzung. Das folgende "Trauma" serviert statt Bierdusche noch mehr übersteuerte Fuzz-Gitarren und Gesang, der dem Gefühl dahinter nicht länger standzuhalten vermag und mehr als einmal hörbar unter der kernigen Rock-Inszenierung wegbricht. "Thermometer" und "My Teeth Hurt" verbreiten als Gegenpole trotzig gute Stimmung. Alles schwarz zu malen, ist nicht Furmans Art, lieber zieht er sich die tiefroten Lippen nach, wirft aus stahlblauen Augen einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und inszeniert sich in "I Wanna Be Your Girlfriend" als der große Romantiker, der sich schon 2012 auf "Day Of The Dog" zwischen die krachigeren Songs mogelte und der die Empfindsamkeit der frühen Bright Eyes mit pastell-farbenem 50s-Charme und kraftvollen Worten mischt: „Honey, I know that I don’t have the body you want in a girlfriend/ What I am working with is less than ideal/ But maybe, baby, it’s not all about what you thought that you wanted/ It’s about the way I can make you feel“.

Bewertung: 9/12

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